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Zwischenstopp Hainich

Ornithologie vom

Die winzigen Wintergoldhähnchen bleiben, auf einen gnädigen Winter hoffend, in der kalten Jahrezeit hier. Foto: Daniel Storch

Ein Besuch im Hainich lohnt sich immer - selbstverständlich. Die artenreiche Natur, die sagenumwobenen Kulturschätze, weltbewegende Historie. Menschen kommen zu Tausenden in die Welterbe - Region.

Auch Vögel ziehen in großen Schwärmen über und durch den Hainich, seine Randgebiete und entlang der größeren Fließgewässer. Einige haben hier ihr Ziel erreicht, für andere ist es nur ein kurzer Zwischenstopp oder ein flüchtiger Blick aus luftiger Höhe. Ihr Interesse gilt nicht so sehr der Schönheit, nicht der Geschichte dieser Landschaft - und hängt doch damit zusammen. Für sie ist der Hainich eine Landmarke, ein Imbiss oder nur ein Ort zum Ausruhen auf dem Weg nach Süden.

Der Vogelzug erfasst nun auch die, die bisher noch gut zurechtkamen. Die kühlen Nächte, die kurzen Tage, ein nicht mehr so reich gedeckter Tisch - alles gute Gründe, sich auf den Weg zu machen. Die warme Oktobersonne trügt. Bald werden böige Winde die losen Blätter von den Bäumen fegen. Der erste Frost wird durch das Gras kriechen und die letzten Grillen werden verstummen. Der morgendliche Nebel ist nur einer von vielen schleichenden Vorboten der lichtarmen, kargen Zeit.

Goldammern, Buchfinken und Singdrosseln sind unterwegs, hüpfen über Wege und durch Hecken, fliegen erschrocken auf und setzen ihre Reise fort. Einige Zilpzalpe schwirren noch durch die lichten Zweige der Birke auf der Suche nach letzten Blattläusen. Auf dem Grünland rasten Feldlerchen, nur an kurzen Lockrufen erkennbar, die den Zusammenhalt der kleinen Schar sichern. Vielleicht kommen sie aus der Uckermark oder aus dem Oderbruch und lernen nun zum ersten Mal das Weideland bei Craula kennen.

Ein Sommergoldhähnchen streift durch die Gärten am Rand von Weberstedt. Ob es aus dem Hainich ist? Es ist ein junges Männchen, das mit lautem Herbst-Gesang seine Fähigkeiten probt und gleichzeitig nach Artgenossen Ausschau hält. Vielleicht erreichen sie dann gemeinsam das Überwinterungsgebiet in den Steineichenwäldern Spaniens.

Die ebenso zierliche Verwandtschaft, die Wintergoldhähnchen, bleiben vor Ort, verschwinden in dunklen Fichtenforsten und hoffen auf einen gnädigen Winter. Ein, zwei Grad wärmer ist es im dichten Nadelwald, Wind und Wetter treffen nicht ungebremst auf die 5-Gramm-Miniaturvögel und sogar froststarre Insekten lassen sich unter den losen Rindenschuppen noch entdecken. Trotzdem wird es beschwerlich, manch einer wird es nicht schaffen. Und die Konkurrenz ist auch schon da: Wintergoldhähnchen aus Finnland und dem Baltikum laden unsere, zumeist milden Winter, zum Verweilen ein.

Unverkennbar und gar nicht leise hat auch der Zug der Kraniche über den Hainich begonnen. Am Ende werden es zehntausende sein, die den "großen Wald" Richtung Südwesten überflogen und in ihrem Gedächtnis abgespeichert haben.

Joachim Blank

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