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Wintertag mit Schneeammer

Ornithologie vom

Schneeammer-Männchen auf Island Foto: Joachim Blank

Der Titel eines Ölgemäldes? Mit knorrig-krummen Kirschbäumen am alten Feldweg, entlang noch unbestellter Äcker über deren dunkle Erdschollen sich in der Nacht eine zarte weiße Haut aus Reif gelegt hat. Und im Schutz eines verdorrten Habichtskrautes kauern drei windzerzauste Vögelchen. Denkbar.

Vielleicht auch ein Veranstaltungstipp oder gar ein fantasievoll umschriebenes Festtagsmenü? Lieber nicht.

Die in Skandinavien, Russland, auf Island und in Teilen Großbritanniens und Irlands heimische Singvogelart erreicht auf dem Zug auch Mitteleuropa. Vor allem im Osten Deutschlands sind zwischen Oktober und März Begegnungen mit der 16 bis 17 Zentimeter großen und rund 25g schweren Ammer möglich.

Die ständig in Bewegung befindlichen, ansonsten eher wenig scheuen Vögel, fallen durch große weiße Bereiche an Schulter und Flügel auf. Besonders die Männchen glänzen mit leuchtend hellen Kleidern, während Weibchen und Jungvögel deutlich mehr Braun und Grau tragen.

Im nordischen Sommer beginnt im Mai die kurze Brutperiode, die oft nur Zeit für eine Jahresbrut lässt. Das am Boden, meist unter Steinen oder Felsblöcken erbaute Nest besteht aus Halmen, Moos, Flechten, Federn und Haaren. Nach knapp 40 Tagen ist ein kompletter Brutzyklus von der Eiablage bis zum Selbstständigwerden der Jungen abgeschlossen.

Die Beobachtung von Schneeammern in der Hainichregion gehört zu den sehr seltenen, wenngleich auch nicht unmöglichen Ereignissen eines weihnachtlichen Spazierganges. Bei Weimar und Großenehrich im Kyffhäuserkreis wurden diesen Herbst bereits Schneeammern entdeckt.

Etwas Glück muss man haben, den richtigen Ort und den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. Zumeist entdeckt man sie dann bei der Nahrungssuche am Boden, zwischen spärlicher Vegetation, auf Stoppelfeldern oder in der Wintersaat. Oft sind es Einzeltiere oder kleine Trupps, manchmal in Gesellschaft anderer Körnerfresser - Goldammern, Berg- und Buchfinken - auf der geduldigen Suche nach verbliebenen Samen in der Streuschicht.

Wer die Feiertage oder Winterurlaub an Ost-oder Nordsee verbringt, hat mit Abstand die besten Chancen auf Schneeammer-Kontakt in Deutschland.

Joachim Blank

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