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Ornithologie vom

Wer nascht denn hier unter der Meisenglocke? Foto: Achim Blank

Ein "harter Kerl" kommt zurück

Einige Zugvögel, insbesondere solche, die nur innerhalb Europas umherstreifen, lassen sich von  winterlichen Temperaturen und Schneelage im Februar nicht abschrecken und tauchen langsam aber sicher in steigender Zahl wieder in unseren Gefilden auf.

Der, den es zu erraten gilt, gehört zu diesen „harten Kerlen“, die selbst bei minus 5°C in der Wintersonne ihr abwechslungsreiches Lied unter leidenschaftlichem Flügelschlagen von einem erhöhten Punkt vortragen. Gesellschaftliches Schwatzen gehört ebenso dazu wie die perfekte Imitation, sodass plötzlich im Garten scheinbar die vielfältigste Vogelgemeinschaft versammelt scheint. Rotmilan, Pirol, Kiebitz und Dohle sind regelmäßige Opfer des perfekten Noten-Klaus.

Der recht lange spitze Schnabel ist nicht nur zum Imitieren geeignet, sondern ertastet auch geschickt jeden Regenwurm im Boden ebenso wie Parasiten im Fell von Schafen. Der schillernde Frack erinnert jedoch eher an einen extrovertierten Hauptdarsteller im Konzertgewand als an einen „Landwirt“, besonders wenn das frisch vermauserte Gefieder im Herbst mit unzähligen weißen Pünktchen übersäht ist.

Zum Schillern des Federkleides passen auch die himmelblauen Eier, von denen zwischen April und Juli 4 - 6 im Schnelldurchgang erbrütet werden. Im Gegensatz zu anderen Vögeln vergleichbarer Größe, schlüpfen die Jungvögel oft schon nach nur 11 Tagen, lassen sich dann aber mindestens drei Wochen Zeit, bevor sie, meist begleitet von heftigen Warnrufen der besorgten Eltern, das Nest verlassen.

Der Herbst ist die Zeit des Schlemmens. Sehr zum Leidwesen der Obstbauern, fallen große Schwärme dieser an menschliche Nähe gewöhnten Vögel, in Weinbergen, Kirsch- und Apfelplantagen ein, um ausgiebigen Mundraub zu begehen.

Vernichtungsaktionen und Lebensraumveränderungen haben den Bestand des Millionenheeres bedenklich schrumpfen lassen, sodass mit der Wahl zum Vogel des Jahres 2018 wieder einmal der Umgang des Menschen mit der ihn unmittelbar umgebenden Natur thematisiert wird.

Oft sieht man als Ornithologe einen Vogel nur für Sekunden im Blätterdach des Waldes entlanghuschen, nur teilweise hinter einem Stamm hervorlugen oder als einfarbig schwarze Silhouette vor grauen Wolken. Körperform, Proportionen, Schnabelform,  Flugstil oder ein markantes Aufblitzen farbiger Körperpartien lassen oft trotzdem eine sichere Bestimmung zu.

 

Achim Blank

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