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Was machen eigentlich diese Ranger*innen den ganzen Tag?

Praktikanten-Tagebuch vom

Totholz im Nationalpark Hainich Foto: Franziska Beyer

Genau diese Frage habe ich sehr oft gestellt bekommen: "Hey Franzi, du machst doch Praktikum im Nationalpark Hainich? Du musst das doch wissen!"

Puhhhh, gute Frage! Natürlich hatte ich gewisse Vorstellungen. Aber entsprechen diese auch der Realität? Schnell war klar, dass ich das am besten herausfinde, wenn ich die Ranger*innen des Nationalparks für ein paar Tage begleite. Jens, der Revierleiter hat alles schnell und unkompliziert organisiert. Schon eine Woche später ging es um 7 Uhr am Morgen los!

Axel, einer der 25 Ranger*innen im Nationalpark, begrüßt mich freundlich und erklärt mir, dass wir an diesem Tag für die Verkehrssicherung zuständig sind. Zuerst fahren wir in die Werkstatt, um uns mit Werkzeug auszustatten und um uns mit Axels Kollegen abzusprechen.

Ich erfahre, dass man sich als Besucher*in im Wald grundsätzlich auf eigene Gefahr aufhält. Ein Waldeigentümer muss also grundsätzlich keine Vorkehrungen gegen die typischen Gefahren des Waldes (z. B. herabhängende Äste, Totholz, Trockenzweige, Wurzeln) treffen. Jedoch müssen die Besucher*innen vor atypischen Waldgefahren geschützt oder gewarnt werden. Also Einrichtungen, zu denen die Wandernden "eingeladen" werden (Bänke, Geländer, Treppen...) und die sich nicht aus der Natur ergeben, sondern vom Nationalpark geschaffen werden.

Axel erklärt mir, dass im Nationalpark, soweit es möglich ist, auch versucht wird, die Besucher*innen vor den typischen Waldgefahren zu schützen. Auch wenn das nicht Pflicht ist.

Deshalb laufen, sobald das Laub im Frühjahr ausgetrieben ist, mehrere Ranger*innen die Wanderwege des Nationalparks ab und kontrollieren die Wege und Besuchereinrichtungen nach möglichen Gefahren. Genau das ist auch heute die Aufgabe von Axel und mir.

An der Werkstatt angekommen treffen wir den Ranger Felix. Er berichtet, dass eine abgestorbene Esche, die über den Weg hängt, gesichtet wurde. Das ist zu gefährlich!!! Deshalb fahren wir gleich los! Vor Ort begutachten Axel und Felix die Situation. Sie planen, wie sie die Gefahr, ohne großen Einfluss auf das Ökosystem, beseitigen können. Sie beschließen den Baum mit einer Motorwinde umzuziehen. Gesagt, getan! Zunächst wird der Weg abgesperrt und die Schutzhelme werden aufgesetzt. Dann wir alles aufgebaut: das Seil, die Motorwinde, die Umlenkrolle. Dann geht es schnell. Bevor es losgeht, tönt ein lautes "AAAAchtuuuuuung" durch den Buchenwald. Die Motorwinde ertönt und die Esche liegt wenige Sekunden später genau an dem Platz, den Felix und Axel zuvor bestimmt hatten.

Anschließend geht es für Axel und mich weiter zum Hünenteichweg. Dort ist eine große Esche auf den Weg gefallen. Die Esche ist so groß, dass es ein zu großer Aufwand und Eingriff wäre, diese aus dem Weg zu räumen. Deswegen leiten wir den Weg ein paar Meter um. Wir setzen die Wegweiser um und bedecken, den alten Weg mit Totholz und etwas Laub, sodass deutlich wird, wo der neue Weg entlangführt.

Nach der Mittagspause laufen wir den Thiemsburgwanderweg ab. Wir schauen uns die Bäume am Weg genau an: Sind sie eine akute Gefahr? Welche Baumart ist das? Wie verhält sich das Holz dieser Baumart? In welche Richtung würde der Baum fallen? An Sitzgelegenheiten geben wir besonders acht. Dort haben wir als Nationalpark eine große Verantwortung. Wir dokumentieren alles genau mit Hilfe einer GIS App, sodass die markierten Bäume wieder leicht zu finden sind. Bis zum Nachmittag haben wir sehr viele Bäume erfasst, die eine potenzielle (aber nicht akute) Gefahr darstellen. Axel ist etwas schockiert: "Man merkt einfach die Trockenheit der letzten Jahre. Immer mehr Bäume leiden darunter. Wir müssen von Jahr zu Jahr an den Wegen immer mehr Bäume umwerfen."

Die folgenden Tage erwiesen sich als sehr spannend und abwechslungsreich. Viele Ranger*innen haben mir mit viel Stolz und Freude einen Einblick in ihre Arbeit in den Nationalpark gegeben. Nun kann ich die Frage beantworten. Die Ranger*innen im Nationalpark haben unglaublich viele wichtige, auf den ersten Blick gar nicht so einfach ersichtliche, Aufgaben: Verkehrssicherung, technischer Dienst, Jagd, Bau und Betreuung von Besuchereinrichtungen und Beschilderung, Besucherbetreuung, Umweltbildung, Öffentlichkeitsarbeit, Monitoring, Unterstützung der Forschung, Streifendienst, Dokumentation der Arten...

Commerzbank-Umweltpraktikantin Franziska Beyer

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