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Tanz auf dem Vulkan…

Ornithologie vom

Die Weißstörche von Mülverstedt haben erst vor kurzem mit dem Nestbau begonnen. Foto Joachim Blank

…auf einem erloschenem zwar, aber einerseits mit dem Blick in den endlos dunklen Schlot und andererseits auf dem schmalen Grat des Kraterrandes. Die zwei Weißstörche auf dem Schornstein des alten Sägewerkes in Mülverstedt werden es wohl nicht ganz so dramatisch sehen.

Seit Ende April richten sie sich mit vereinten Kräften auf dem ungenutzten und sichtlich in die Jahre gekommenen, steinernen Zeitzeugen ein. Aller Anfang war schwer – manch ein Ast segelte herab, vielleicht weil er abrutschte, vielleicht wurde er aber auch einfach als unpassend befunden. In gut einer Woche entstand ein kleines Reisighäubchen, das zwei Störche tragen kann. Eine solide Nestplattform ist es noch nicht, aber man arbeitet daran. Mit kräftigen Flügelschlägen werden neue Äste herbeigeschleppt, ausprobiert, eingepasst und festgezurrt.

Während die ersten Weißstörche in Thüringen schon Nachwuchs haben, hat sich dieses, womöglich noch junge Paar erst jetzt für den Nestbau entschieden. Thüringen ist nicht gerade dicht mit Weißstörchen besiedelt. Derzeit sind etwa 40 Plätze besetzt. Die meisten Paare suchen die Nähe von Fließgewässern mit ausgedehnten, zeitweise überschwemmten Auen und Grünländern. Die Ostseite des Hainichs hält davon nicht allzu viel bereit. Die Unstrut ist mindestens fünf Kilometer entfernt, an den Talsperren Seebach und Großengottern gibt es nur kleine Wiesenareale und die namentlich nassen Riede bei Großen- und Altengottern sind schon lange entwässert. Warum dieses Paar wohl Mülverstedt wählte?

Auf dem Speiseplan der Störche stehen neben Fröschen natürlich auch Mäuse, jede Menge Regenwürmer, Heuschrecken und andere Großinsekten. Soll es für 3 – 4 Junge reichen, sind aber größere Mengen gefragt – ein schweres Unterfangen in der intensiv genutzten Kulturlandschaft.

Wenn alles gut geht und noch im Mai Eier im Nest liegen, könnten sich im August Jungstörche mit Flugübungen auf die große Reise nach Afrika vorbereiten. Wie ernst es den neuen Mülverstedtern mit ihrer Ansiedlung ist, wird sich in den nächsten Wochen entscheiden.

Joachim Blank

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