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Mutig!

Ornithologie vom

Ein junger Wespenbussard stellt sich in seinem Horst mutig dem Beringer entgegen. Foto: Joachim Blank

Der Kampf mit Wespen und Bienen gehört nicht gerade zu den angenehmen Dingen und ruft hierzulande regelmäßig ausgebildete Kammerjäger auf den Plan. Abgesehen davon, dass es sich auch mit solchen Sommergästen am Haus oder im Garten meist problemlos leben lässt, gibt es Vögel, die sich gerade auf diese wehrhaften Insekten als Beutetiere spezialisiert haben.

Erstaunlich ist, dass zu ihnen auch ein Greifvogel zählt. Die sonst eher in der Rubrik der Fleischfresser vermuteten Greifvögel sind aber durchaus anpassungsfähig. So steht der Mäusebussard auch auf Regenwürmer, Turmfalken schätzen knackige Laufkäfer und Baumfalken sind exzellente Libellenjäger.

Die Insektenleidenschaft auf die Spitze getrieben hat der Wespenbussard. Sein Name ist Programm und vieles an ihm ist auf seine gefährliche Alltagsbeschäftigung ausgerichtet.

Der schlanke und kaum 1000g schwere Bussard gräbt mit kurzen kräftigen Füßen die Baue der Wespen aus der Erde. Verengte Nasenlöcher und eine besonders harte, schuppenartige Befiederung im Gesicht schützen vor Stichen.

Erst im Mai besetzen die aus Äquatorial- und Südafrika heimkehrenden Zugvögel das Revier. Wenn im Juni die Eier gelegt werden, sitzen bei der Verwandtschaft - Mäusebussard, Habicht und Turmfalke - meist schon große Junge in den Horsten.

Brut und Aufzucht der jungen Wespenbussarde sind jedoch eng mit der wesentlichen Nahrungsgrundlage gekoppelt: Wespen, Bienen und Hummeln erreichen die größte Dichte erst im Hochsommer. Wespennester werden im niedrigen Suchflug, von Ansitzen oder zu Fuß erspäht. Dabei werden auch andere größere Insekten, Frösche, Eidechsen und ausnahmsweise Jungvögel und Mäuse erbeutet.

Nasse Sommer oder längere Regenphasen können zur Aufgabe der Brut führen. Gelegentlich sollen auch die Brutpartner nicht den rechten Draht zueinander finden, der für einen reibungslosen Brutverlauf nötig wäre.

Im Nationalpark werden jährlich Wespenbussarde beobachtet. Der Fund besetzter Horste gelingt jedoch nicht immer. Da die Brutverluste relativ hoch sind, konnten bisher nur wenige Jungvögel beringt werden.

Ein bisschen griesgrämig sieht der Jungvogel im diesjährigen Horst schon aus, der sich jedoch mutig mit geöffneten Schwingen dem Beringer entgegen stellte.

Joachim Blank

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