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Ornithologie vom

Steinschmätzer, hier im Donaudelta fotografiert, fühlen sich auch im Nationalpark sehr wohl. Foto: Achim Blank

Mit etwas Glück und dem Gespür für das richtige Umfeld sind im April und Mai zierliche und farbenfrohe Vögel im Nationalpark zu beobachten, die sich besonders auf kargem Boden mit schütterer Vegetation wohl fühlen. Dort fallen die sperlingsgroßen Singvögel mit den dünnen schwarzen Beinen trotz ihrer kontrastreichen Färbung kaum auf. Häufig wird man erst auf sie aufmerksam, wenn im Flug die großen weißen Abzeichen des Schwanzes aufblitzen. Steinschmätzer sind Langstreckenzieher, deren Überwinterungsgebiete in Zentral- und Ostafrika liegen. Ihr Aufenthalt im Hainich beschränkt sich oft nur auf wenige Tage.

Zu den natürlichen Lebensräumen, in denen zwischen Mai und Juli 1 – 2 Bruten stattfinden, gehören Heidelandschaften, Dünen, Hochmoore, Geröllhalden und alpine Matten. In sogenannten Sekundärhabitaten wie Tagebauen, Sandgruben und Weinbergen haben Steinschmätzer passende Ersatzlebensräume gefunden. Spontane Ansiedlungen auf Waldbrandflächen, in Gewerbegebieten oder auf Abraumhalden sind möglich. Schon im nächsten Jahr kann das Brutgebiet wieder verwaist sein, weil sich die Bodenvegetation zu stark verdichtet hat.

Unter Stubben oder Steinhaufen findet die Brut statt. Die 4 – 6 hellblauen Eier werden knapp zwei Wochen bebrütet. Auch sonst spielt sich das Steinschmätzer-Leben am Boden ab.  Insekten, Würmer und Schnecken werden mit kurzen Sprüngen, ab und an auch nach kurzen Jagdflügen, erbeutet. Dazwischen können die Vögel minutenlang stillstehend verharren. Steine und Erdhaufen sind als Ausguck und Singwarte begehrt. Der „schmatzende“ Gesang prägte auch den Artnamen. Zur Revierabgrenzung werden auffällige Schauflüge gezeigt. Während Brut und Jungenaufzucht sind Steinschmätzer dann sehr heimlich und leicht zu übersehen.

Der Steinschmätzer-Bestand entwickelt sich leider bereits seit mehreren Jahrzehnten negativ. Umbruch von Brachland, weniger extensive Weidewirtschaft und Sukzession auf ehemaligen  Truppenübungsplätzen führen schnell zu großflächigen Habitatverlusten.

Im Nationalpark kann man diese Art vorwiegend auf den Weideflächen um Craula, am Zollgarten und auf dem Kindel entdecken. Die meisten Beobachtungen stammen aus den Monaten April und Mai sowie August und September.

 

Achim Blank

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