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Jahresrückblick 2022

Pressemitteilungen vom

  • Rinder auf der Wilden Weide
    Rinder der Rasse "Gelbvieh" stehen seit letztem Jahr auf einer Ganzjahresweide auf dem Kindel im südlichen Teil des Nationalparkes.
    Foto: Madlen Schellenberg
  • Exmoor-Ponys auf der Wilden Weide
    Die Exmoor-Ponys halten die offenen Bereiche auf dem Kindel frei von Gehölzaufwuchs und erhalten so Offenlandlebensräume für seltene Tierarten.
    Foto: Madlen Schellenberg

Von 150 Jahre Erfolgsmodell „Nationalpark“ bis 25 Jahre Nationalpark Hainich

Der Nationalpark Hainich blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2022 mit zahlreichen kleinen und großen Höhepunkten, aber auch für uns alle traurigen Entwicklungen zurück. Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat unsere Welterbestätte „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ näher zusammenwachsen lassen. Viele Menschen flohen aus ihrer Heimat quer durch die Ukraine in den Westen des Landes und fanden Unterkunft in Gebäuden der Schutzgebietsverwaltungen oder suchten in den Schutzgebieten, Teile der Buchenwaldfamilie, selbst Schutz. Ein Spendenaufruf und Transporte der internationalen Naturschutzorganisation Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) brachte Hilfe und Unterstützung für die helfenden und geflüchteten Menschen in den Schutzgebieten in der Ukraine. Doch wir alle wissen: Der Krieg ist noch nicht vorbei.

Von besonderer Bedeutung war das 10. Jubiläumsjahr der Welterberegion Wartburg Hainich. Sie verbindet die Wartburg, die bereits seit 1999 UNESCO-Weltkulturerbe ist, mit dem Nationalpark Hainich, dessen Anerkennung als UNESCO-Weltnaturerbe 2011 folgte, und vermarket diese einzigartige Kombination von Kultur- und Naturerbe gemeinsam. Das Jubiläumsjahr erfuhr seinen Höhepunkt in der Jahrestagung aller 51 deutscher UNESCO-Welterbestätten, zu der im Mai 2022 rund 100 Vertreterinnen und Vertreter in Bad Langensalza zusammenkamen.

Einen etwas größeren Geburtstag feierte das Erfolgsmodell „Nationalpark“. Am 1.3.1872 wurde der weltweit erste Nationalpark, der Nationalpark Yellowstone in den USA, gegründet. 150 Jahre wurde er 2022 alt – er und damit auch „Amerikas beste Idee“, wie sie von vielen genannt wird.

Die besondere Bedeutung des Buchenwaldes im Nationalpark Hainich wurde durch die Wahl der Rotbuche als Baum des Jahres 2022 deutlich. Erstmals erhielt eine Baumart diesen Titel zum zweiten Mal - aus besorgniserregendem Grund: Rotbuchenwälder haben ihren Schwerpunkt in Mitteleuropa und Deutschland ist das Kernland der Rotbuche. Sie ist hier heimisch und an unsere klimatischen Verhältnisse angepasst. Wetterextreme wie die Trockenheit in den vergangenen Jahren haben aber selbst den Rotbuchenbeständen zugesetzt - auch im Hainich. Daher soll mit der erneuten Wahl auch auf den Klimawandel aufmerksam gemacht werden.

Im April 2022 ist in der bei vielen Schülerinnen und Schülern des Hainich-Umlandes gut bekannten Umweltbildungsstation UBiS eine Nationalpark-Information neu eingerichtet wurden. Ein Ranger steht nun jeden Tag von April bis Oktober als Ansprechpartner zur Verfügung. Bereits in ihrem ersten Jahr erfreute sich die neue Nationalpark-Information größter Beliebtheit und war viel besucht. Insgesamt konnten hier ca. 5.800 Besucherinnen und Besucher begrüßt werden.

Nach dem Ende der Corona-bedingten Einschränkungen verzeichneten Baumkronenpfad (141.200 Besucher) und Wildkatzendorf (26.500) wieder gestiegene Besucherzahlen. An den Wander-Parkplätzen wurden mehr Besucher denn je gezählt (ca. 122.700). Insgesamt konnten 2022 335.000 Besucher registriert werden, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von ca. 12 %.

Seit diesem Jahr „arbeiten“ Ziegen, Schafe, Pferde und Rinder auf Ganzjahres- und Sommer-Standweiden im Nationalpark im Arten- und Biotopschutz. Ziel dieser langfristig angelegten Beweidungsprojekte ist es,Tierarten und ihre Lebensräume des Offenlandes, die im Rahmen des europäischen Schutzgebietsnetzwerkes NATURA 2000 unter europäischem Schutz stehen und im Nationalpark einen Verbreitungsschwerpunkt haben, zu schützen und zu erhalten. Die Weideflächen befinden sich auf dem Kindel und dem Steinberg südlich der Thiemsburg.

Das Miteinander von Mensch und Wildtier war Thema auf der Jahrestagung der Vereinigung der Wildbiologen und Jagdwissenschaftler Deutschlands e.V. (VWJD). Über 100 Wildbiologinnen und Wildbiologen tagten im Juni in der Jugendherberge „Urwald-Life-Camp direkt am Nationalpark. Ziel war es, den Austausch über das wichtige und allgegenwärtige Thema „Wildtiermanagement“ zu fördern und unterschiedliche Akteure miteinander ins Gespräch zu bringen.

Das UrwaldMobil besucht seit Juni 2022 Thüringer Schulen. War es im Jahr 2021 noch der attraktive und gut besuchte Informationsstand des Nationalparks auf der BUGA in Erfurt, wird es zukünftig als Ausgangspunkt für spannende und handlungsorientierte Bildungsprogramme dienen. Vollgepackt mit Urwalderfahrungen und Informationen rund um das Weltnaturerbe Hainich soll ganz im Sinne einer Bildung für nachhaltige Entwicklung ein verantwortungsbewusster Umgang mit der Umwelt erlebbar gemacht werden. Die Resonanz war bei insgesamt ca. 700 betreuten Schülern und Lehrern durchweg positiv und auch in diesem Jahr sind die verfügbaren Termin bereits heißbegehrt.

Weitere Ereignisse im Jahr 2022 waren: Eine neue Dauerausstellung zur „Vielfalt des Lebens und der Lebensräume unter unseren Füßen“ ist im März in den Turm des Baumkronenpfades eingezogen. Weitere Ausstellungen, wie die „Glanzlichter 2021“, „20 Jahre Glanzlichter“ oder „Nationalpark Bayrischer Wald - Deutschland ältester Nationalpark“, wurden im Sonderausstellungsraum im Nationalparkzentrum gezeigt. Der Hünenteichweg erfüllte erneut die strengen Qualitätskriterien des Deutschen Wanderverband (DWV) und wurde als „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ in der Kategorie „naturvergnügen“ rezertifiziert.
Die Bearbeitung des neuen Nationalparkplanes begleitete das gesamte Jahr 2022. Der Nationalparkplan enthält die Ziele und Aufgaben der Nationalparkverwaltung für die kommenden 10 Jahre und beleuchtet alle Themenfelder. So geht es um den Schutz der biologischen Vielfalt und Dynamik ebenso wie um die Entwicklung von Lebensräumen und Arten des Offenlandes (Umsetzung von Natura 2000). Weitere Themen sind Forschung und Tourismus im Nationalpark, Umweltbildung, Besucherlenkung, Öffentlichkeitsarbeit sowie das Wildtiermanagement. Im August 2022 wurde ein Entwurf öffentlich ausgelegt. Zahlreiche Stellungsnahmen von Privatpersonen, Vereinen und verschiedenen Institutionen gingen ein. Sie werden nun diskutiert und eingearbeitet, um einen neuen Nationalparkplan verabschieden zu können.

„Last but not least“ feierte der Nationalpark am 31.12.2022 seinen 25. Geburtstag. „Was bedeutet dieses Vierteljahrhundert Nationalparkentwicklung für uns als Nationalparkverwaltung? Kurz innehalten, dankbar sein für das Erreichte, Zwischenbilanz ziehen, und dann weiterarbeiten für unseren kleinen, aber feinen Nationalpark mit seiner artenreichen Natur, seine Region und die Menschen, die in ihr leben“, so Nationalparkleiter Manfred Großmann.

 

Cornelia Otto-Albers
Pressesprecherin

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