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Entbuschungsmaßnahmen im Nationalpark Hainich

Pressemitteilungen vom

Um den Lebensraum für lichtliebende Arten zu erhalten, werden derzeit auf einigen Flächen im Nationalpark Büsche und Sträucher entfernt. Foto: Jens Wilhelm

10 Prozent der Nationalparkfläche sollen künftig zum Schutz seltener Arten Offenland bleiben

In diesen Tagen werden im Nationalpark Hainich auf einigen Flächen mit Baggern Gehölze entfernt. Der eine oder andere mag sich fragen, wie das in einem Schutzgebiet, das sich dem Motto "Natur Natur sein lassen" verschrieben hat, sein kann. Die Erklärung hierfür ist ein Konflikt in der Nationalpark-Zielsetzung. Im Nationalparkgesetz ist als Schutzzweck formuliert, dass der Hainich von menschlichen Einflüssen weitgehend freizuhalten ist. Gleichzeitig gehört der Hainich zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000 und hat damit auch die Verpflichtung, hier vorkommende, lichtliebende Arten und Lebensräume von europäischem Interesse zu schützen. Ohne Nutzung, in diesem Fall extensive Beweidung, ist das nicht möglich. In diesem Zielkonflikt wurde nun eine Lösung gefunden. In einem ersten Schritt werden daher ausgewählte Flächen "entbuscht", d.h. es werden dort aufgewachsene Sträucher und Gebüsche entfernt.

"Künftig sollen 10 % der Nationalparkfläche, also 750 ha, mittels Beweidung als Offenland erhalten werden. So finden beispielsweise Gelbbauchunke, Skabiosen-Scheckenfalter, Sperbergrasmücke und Neuntöter auch weiterhin im Hainich einen nicht zu ersetzenden Lebensraum. Der weit überwiegende Teil des Nationalparks, 90 %, bleibt der Umsetzung des Wildnis-Zieles hin zum "Urwald mitten in Deutschland" gewidmet", erklärt Nationalparkleiter Manfred Großmann.

Derzeit sind 94 % der Nationalparkfläche ohne Nutzung. Sechs Prozent werden bereits extensiv mit Schafen beweidet. Vier Prozent (entspricht 300 ha), ausschließlich ehemalige Weideflächen, werden nun wieder in die Nutzung genommen. Eine Voraussetzung für die Wiederbeweidung sind Entbuschungsmaßnahmen auf bereits stärker zugewachsenen Flächen. Diese Maßnahmen beginnen jetzt und sollen bis Ende Februar 2019 abgeschlossen sein. Die Umsetzung wird gefördert durch Mittel des Thüringer Umweltministeriums und der Bundesrepublik Deutschland im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK).

Manfred Großmann
Nationalparkleiter

 

Hintergrund:
Natura 2000 ist die Bezeichnung für ein europäisches Schutzgebietsnetz, das langfristig die Biodiversität in Europa, die Vielfalt der hier vorkommenden Arten und Lebensräume, sichern soll. Das Schutzgebietsnetz setzt sich zusammen aus Vogelschutzgebieten (hier steht der Schutz bestimmter Vogelarten im Mittelpunkt) und den sog. FFH-Gebieten (auf der Basis der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie: hier geht es um bestimmte Arten und Lebensräume).

Der Nationalpark Hainich gehört vollständig zum FFH-Gebiet Hainich sowie zum flächenidentischen und namensgleichen EG-Vogelschutzgebiet und ist somit Bestandteil von Natura 2000. Es umfasst den gesamten Hainich, hat eine Fläche von ca. 15.000 ha und ist damit das größte FFH-Gebiet in Thüringen. Schutzobjekte sind hier neben natürlichen Wald-Lebensraumtypen und -Arten der FFH-Richtlinie sowie Wald-Vogelarten gemäß Vogelschutzrichtlinie auch Lebensraumtypen und Arten, die ganz oder teilweise nutzungsabhängig und deren Habitate Offenlandflächen sind (z.B. Kalk-Trockenrasen, Skabiosen-Scheckenfalter).

Kontakt

Ansprechpartner_in

Cornelia Otto-Albers

0361/57 3914 008