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Eis und Schnee sind nichts für Eisvögel!

Ornithologie vom

Das schillernde Blau des Rückengefieders und der Kontrast zur kräftig orangeroten Brust erinnert beim Eisvogel an Papageien oder Kolibris. Foto: Daniel Storch

Auch wenn der Name es vermuten ließe - der Winter ist auch für den Eisvogel keine angenehme Sache.

Der Nahrungserwerb dieser hochspezialisierten Vogelart funktioniert nur, wenn zumindest ein Teil von Seen und Bächen in der kalten Jahreszeit eisfrei bleibt. Solange erträgliche Temperaturen herrschen, sind Eisvögel selbst im Januar und Februar regelmäßig an den heimischen Gewässern zu beobachten. Nicht selten wagen sie sich dann sogar in Gartenanlagen und Wohngebiete, wo Zierteiche mit einem guten Angebot schnabelgerechter Kleinfische locken. Hier lauern aber auch Gefahren. Neben Katzen sind es vor allem die großen spiegelnden Fensterscheiben der Wintergärten und modernen Wohnhäuser, die dem rasanten Flug des rund 40 Gramm schweren Eisvogels ein jähes und zumeist tödliches Ende setzen.

Besonders Männchen harren im Winter in den angestammten Revieren aus oder streifen nur geringfügig herum. Weibchen und Jungvögel können größere Wanderungen vollziehen und dabei mehrere hundert Kilometer zurücklegen.

Ab Februar, überwiegend jedoch im März, werden die zukünftigen Brutplätze bezogen. Bei mehreren Jahresbruten ist ein früher Beginn zwingend erforderlich, denn bis August wird zwei, drei oder sogar viermal für Nachwuchs gesorgt.

Eisvögel brauchen saubere, langsam fließende oder stehende Gewässer mit reichlich kleinen Fischen als verlässliche Nahrungsgrundlage, natürlichen Abbruchkanten, Prallhängen und Steilufern für die Anlage der bis zu einem Meter langen Bruthöhlen und ausreichend Ansitzen im Uferbereich in Form von überhängenden Zweigen oder Wurzeln - eben alles, was ein natürlicher, unverbauter Flusslauf ganz von selbst bietet. In optimalen Lebensräumen können sich die Reviere im 1km-Takt aneinanderreihen.

Zu den eher ungewöhnlichen Nistplätzen zählen Wegböschungen, Kiesgruben und große Wurzelteller, die auch mehrere hundert Meter abseits der Gewässer liegen können.

Beeindruckend ist immer wieder die exotische Färbung. Das schillernde Blau des Rückengefieders leuchtet bei Altvögeln besonders intensiv und der Kontrast zur kräftig orangeroten Brust erinnert an Papageien oder Kolibris. Dem Ornithologen verrät er sich jedoch häufig zunächst durch seinen hohen, scharfen Lockruf. Dann heißt es schnell den Blick flach über das Gewässer zu lenken, denn in der Regel schießen die Vögel nur Zentimeter über dem Wasser dahin. Ihre Flügelschläge verursachen manchmal sogar ein sichtbares Wellenband auf der Oberfläche.

Joachim Blank

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