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Eine Bühne für die Zarte

Ornithologie vom

Die zarte Turteltaube fühlt sich auch auf dem Steinberg und dem Kindel im Nationalpark Hainich wohl. Foto: Achim Blank

Steinberg und Kindel gehören zu den bevorzugten Lebensräumen einer kleinen zierlichen Taube, deren Bestand in Deutschland zunehmend lückig wird: die Turteltaube. Besonders typisch ist die Art in den norddeutschen Tiefländern und den Mittelgebirgen. Höhen oberhalb von 900m meiden Turteltauben in der Regel.

Im Hainich fühlt sie sich offensichtlich recht wohl auf den leicht bis mäßig verbuschten, sonnendurchfluteten und entsprechend warmen ehemaligen Truppenübungsflächen. Abwechslungsreich strukturierte, stufige Waldränder gehören ebenso zu den Auswahlkriterien wie Gräben oder kleinere Wasserlöcher, die den nötigen Trinkwasservorrat bereithalten. Ausgiebiges Trinken ist angesichts der überwiegend trockenen Samen von Kräutern oder Nadelbäumen besonders notwendig. Gezielt verschluckte Steinchen sorgen zudem im Magen für die bestmögliche Aufspaltung und leichtere Verdauung der pflanzlichen Kost.

Die Turteltaube gehört zu den wärmeliebenden Vogelarten, die auch noch während der besonders heißen Mittagsstunden singen. Selbst dann läßt ihr namensgebendes "turrr-turrr...", unablässig aufgereiht, noch von einer erhöhten Warte über die Landschaft rollen. Um den Partner zu beeindrucken wird der Gesang mit einem besonders auffälligen Balzflug kombiniert, bei dem von exponierter Stelle zusätzlich steil empor geflogen wird, teils noch durch auffälliges Flügelklatschen betont. Beim Heruntergleiten werden die filigran gezeichneten braunen Flügel ausgebreitet und die schwarz-weißen Schwanzfedern gespreizt.

Die Balz der Turteltauben ist dementsprechend auffällig und kann durch die lange Brutperiode noch bis in den August beobachtet werden. Sie sind jedoch kaum territorial und erscheinen an Tränken oder günstigen Nahrungsplätzen oft in Gruppen.

Vielfach befinden sich die einfachen Nester - nach Taubenart aus nur wenigen Ästchen bestehend - in dornenbewehrten Gebüschen wie Weißdorn oder Heckenrose und unter zwei Meter Höhe.

Besser hätte man uns nicht erschrecken können, als auf dem Steinberg, nur eine Armlänge neben einem der regelmäßigen Monitoring - Netzstandorte, eine Turteltaube in letzter Sekunde polternd vom Nest abflog. Was nun? Turteltauben gelten als empfindlich was Störungen am Nistplatz angeht! Wir riskierten es trotzdem an diesem Tag die Arbeit dort fortzusetzen. Vorsichtig kontrollierte jeweils nur ein Beringer das Netz und würdigte dem Nest mit der zwischen Brut - und Fluchttrieb hin - und her gerissenen Taube keines Blickes. Wir gaben ihr das Gefühl, nicht gesehen zu werden. Tatsächlich flog sie dann nur noch am Ende der Aktion beim Netzabbau nochmals vom Nest und saß wenig später wieder auf den zwei leuchtend weißen Eiern.

Leider werden jährlich schätzungsweise noch 1,5 Millionen Turteltauben in der EU legal abgeschossen. Ein Aderlass, den auch einst häufige Arten auf Dauer nicht ausgleichen können. Die Turteltaube zählt nach Einschätzung der Internationalen Naturschutzunion IUCN aktuell zu den weltweit akut vom Aussterben bedrohten Vogelarten.

Achim Blank

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