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Die Stadt der sanften Schwingen

Ornithologie vom

Die Stadt der sanften Schwingen
Waldohreule in Thamsbrück Foto: Daniel Storch

Thamsbrück ist eine der ältesten Kleinstädte Thüringens unweit von Bad Langensalza. Gut 900 traditionsbewußte Einwohner blicken stolz auf das neu gestaltete Stadtzentrum, die sanierte St. Georgskirche, das Rathaus am Markt und den Nikolausturm. Doch die Stadt auch auch noch andere, geheime Sehenswürdigkeiten.

Viele große runde Augen schauen ihrerseits auf das geschäftige Treiben der Bürger. Und zwar aus einer Perspektive, die sich heutzutage großer Beliebtheit erfreut – von oben. Thamsbrück von oben also – oder buchstäblich aus der Vogelperspektive. Am Kirchturm haben gleich drei sehenswerte heimische Vogelarten ein Zuhause gefunden: Turmfalke, Dohle und Schleiereule. Sie wurden freundlich von der menschlichen Kirchengemeinde aufgenommen. Ihr Wohlergehen ist den Gemeindemitgliedern wichtig. Komfortable Nistkästen werden allen Anforderungen gerecht und die Betreuung ist erstklassig, Endreinigung inklusive. Die geschwätzigen Dohlen zeigen vor allem von März bis Juni ihr Stimmvermögen, die Turmfalkenfamilie trägt ihren Teil dazu bei.

Wenn sich das Tageslicht allmählich hinter den Häusern verliert, kann es sein, dass ein unheimliches Zischen über dem Marktplatz ertönt. Die Schleiereule hat ihren Tagesschlafplatz verlassen und geht nun auf Mäusejagd. Gibt es viele dieser kleinen Nagetiere, dann können jährlich zwei Generationen von Schleiereulenkindern heranwachsen. Sind sie kurz vor dem Ausfliegen, drängeln sie sich ohne
Höhenangst, ganz nach vorn an das Einflugloch und fordern schnarchend und zischend die nächste Mausroulade.

Wenn Ende Oktober noch die letzten jungen Schleiereulen betteln, stellen sich unweit der Kirche schon Wintergäste ein. Enge Verwandte zwar, aber mit einer Vorliebe für gemeinschaftliches Schlafen im Freien. Waldohreulen haben vor einigen Jahren Thamsbrück als strategisch günstigen Ausgangspunkt für nächtliche Feldmausjagden befunden. Seither nutzen bis zu 30 Vögel gleichzeitig das Schlafplatzangebot. Der abendliche Abflug in die Umgebung beginnt in der späten Dämmerung. Lautlos gleiten sie von ihrem Sitzplatz und segeln elegant durch die historischen Gassen Richtung Unstrutaue, Österwiesen oder Obermühle. Auch die Schleiereulen sind absolut lautlose Flieger. Die langen Flügel eignen sich hervorragend zum Gleiten, aber auch zum Rüttelflug.
Ob der dritte im Bunde der schwerelosen Nachtgeister, der Waldkauz, auch in Thamsbrück brütet, ist unklar. Aber auf seinen nächtlichen Streifzügen aus der Umgebung erreicht er die Ortsränder ganz sicher.

Drei Spezialisten, drei Sehenswürdigkeiten, die nicht mehr überall selbstverständlich sind.

Joachim Blank

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