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Aber der Kaminfeger ist es nicht

Ornithologie vom

Hausrotschwanz Foto: Achim Blank

Wie von Ruß geschwärzt und gern ganz oben auf dem Dach - so kennt man den Hausrotschwanz. Die Männchen zeigen ihren Revieranspruch, indem sie sich auf der Dachspitze oder dem Schornstein präsentieren, ihren kratzigen Gesang selbstbewusst ab dem frühen Morgen vortragen und auch stets zu einer Rauferei mit dem Reviernachbarn bereit sind.

Der Hausröteli, wie die Schweizer sagen, kommt noch in verhältnismäßig großer Zahl in Ortschaften vor, wo er sich als sogenannter Kulturfolger dem Leben zwischen Häusern, Autos und Menschen gut angepasst hat. Auch kleinere Gebäudekomplexe, abgelegene Stallungen oder isolierte Höfe können einzelnen Paaren als Brutrevier genügen. Ursprünglich waren Felswände und Geröllhalden ihr Zuhause.

Bereits kurz nach der Ankunft der Vögel aus dem Winterquartier im März beginnt die Revierbesetzung. Ist die Partnerin - gelegentlich auch zwei - für eine Saison gefunden, beginnt der Nestbau. Je nach Standort kann das Nest recht groß wirken, da zunächst ein ungeordnet scheinender Unterbau aus Halmen, Moos und Flechten aufgeschichtet wird, bevor die eigentliche Nestmulde aus Haaren und Federchen der Körpergröße des knapp 20g schweren Vogels angepasst wird. Die Neststandorte sind extrem variabel: nahezu jede Höhe und jede ausreichend große Nische kann als Kinderstube dienen. Mauerlöcher, hervorstehende Dachbalken, Dachrinnen, Pfeiler, hohle Stahlträger, auch alte Mehlschwalbennester oder defekte Straßenlampen werden besetzt. Besonders kurios sind bewegliche Neststandorte in Gestängen oder Motorräumen landwirtschaftlicher Geräte, Anhänger oder Militärfahrzeuge, die nicht allzu oft benutzt und immer wieder am selben Platz abgestellt werden.

Ab Mitte April liegen meist 5 - 6 weiße Eier im Nest. Nach dem Schlupf werden die Jungen von Männchen und Weibchen versorgt, Männchen mit zwei Weibchen sind entsprechend vielbeschäftigt.

An sicheren Standorten kann dasselbe Nest dann auch für die zweite Brut benutzt werden, sogar im darauffolgenden Jahr können gut erhaltene Nester nochmals verwendet werden. Eine dritte Brut im Spätsommer ist unter günstigen Bedingungen möglich.

Insekten und Spinnen, deren Entwicklungsstadien, im späteren Jahresverlauf auch Beeren und Obst, gehören zum Nahrungsspektrum. Ameisen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Jedes vergiftete Ameisennest im Garten oder auf dem Gehweg ist deshalb eine tödliche Gefahr für den Hausrotschwanz.

Die Nähe zum Menschen machte den Hausrotschwanz auch zu einer sagenumwobenen Gestalt. Neben Glück für das Haus sollten Rotschwänze aber auch Tod und Feuer mit sich bringen. Von der Fähigkeit, das Wetter vorherzusagen, ist in vielen alten Überlieferungen die Rede - sei es durch die Art des Gesanges oder unruhiges Herumfliegen.

In den unmittelbaren Randbereichen des Hainichs findet man Hausrotschwänze eben dort, wo der urbane Einfluss spürbar ist: am Harsberg, der Thiemsburg, bei Weberstedt und Hütscheroda.

Achim Blank

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