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Extremjahr 2018 hinterlässt Spuren im Nationalpark Hainich

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Trockenheit, hohe Temperaturen und permanente Sonneneinstrahlung bringen selbst Rotbuchen an ihre Grenzen

Abgestorbene Fichtenwälder im Thüringer Wald und im Harz sind mittlerweile ein fast gewohnter Anblick. Die Kombination von Trockenheit, hohen Temperaturen und permanenter Sonneneinstrahlung bringt sie an ihre Grenzen. Die Fichte ist auf vielen Flächen eine nicht standortgerechte Baumart, die eine gute Wasserversorgung benötigt. Die Rotbuche hingegen ist charakteristisch für den Naturwald Mitteleuropas. Dass nun diese heimische Baumart vertrocknet und abstirbt, ist ein ganz neues Phänomen. Seit Ende Mai sind auch im Nationalpark Hainich die Folgen des Extremjahres 2018 in den naturnahen Baumbeständen deutlich sichtbar.

"Insbesondere auf den südwestexponierten und besonders flachgründigen Standorten ist die Buche in einem sehr schlechten Zustand. An diesen Standorten ist zirka ein Drittel des Bestandes alter Buchen komplett kahl. Der Rest der Buchen weist große Ausfälle in den Kronen auf und hat eine nur spärliche Belaubung mit z.T. sehr kleinen Blättern. Nur wenige Buchen sind normal belaubt", resümiert Nationalparkleiter Manfred Großmann die Situation. "Im Nationalpark Hainich ist davon auszugehen, dass sich schon unter den jetzigen Bedingungen und aufgrund der bereits eingetretenen Schäden die Baumartenzusammensetzung auf diesen Standorten in sehr kurzer Zeit sehr deutlich verändern wird. Das ist eine Entwicklung, die noch vor wenigen Wochen als unwahrscheinlich eingestuft worden wäre. Die sich aufdrängende Frage ist, ob - wie es die Klimaprognosen sagen - dieses Extremjahr in Zukunft das Normaljahr wird. Dies hätte noch kaum abzuschätzende Auswirkungen auf unser heutiges Waldbild und unterstreicht die immensen Gefahren des ungebremsten Klimawandels in höchst alarmierender Art und Weise", so der Nationalparkleiter weiter.

Erste Anzeichen dafür, dass das Jahr 2018 auch im Hainich seine Spuren hinterlassen hat, gab es bereits im Frühjahr mit der fast komplett ausgebliebenden Bärlauchblüte. Diese Charakterart für den Hainich ist eine Zeigerpflanze für frischen Boden im Frühjahr. Die weißen Blütenteppiche des Bärlauchs locken alljährlich zahlreiche Gäste in den Nationalpark.

Im Rahmen ihres Forschungsauftrages wird die Nationalparkverwaltung nun den aktuellen Zustand der Waldbestände erfassen und dokumentieren. Mit seinen zirka 30 vorkommenden heimischen Baumarten ist der Hainich ein ideales Untersuchungsgebiet für die Frage, welche Laubbaumarten mit den neuen Gegebenheiten am besten zurechtkommen, um beispielsweise in der Forstwirtschaft zukünftig verstärkt verwendet zu werden.

Manfred Großmann
Nationalparkleiter

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