. .
Suche
Seitenanzeige
Überblick
Teaser: Wanderführer Nationalpark Hainich
Herausgeber

Biologische Vielfalt - Reichtum der Erde

Foto: Buchenstamm

Der Charakterbaum des Hainichs –

Die Rotbuche, Buche (Fagus sylvatica)

von Marion Löbnitz

Im Sommer ist es für jeden Wanderer eine Freude an einem heißen Sonnentag in einen Schatten spendenden, kühlen und erfrischenden Wald zu treten. Solche Wälder finden wir vor allem in den ausgedehnten Buchenwäldern des Hainichs.

Die Farbe der noch im Frühsommer hellgrünen, jungen und zarten Buchenblätter hat sich in ein dunkleres Grün gewandelt. Auf dem Waldboden fehlen die bunt blühenden Arten des Frühjahrs wie Buschwindröschen, Lerchensporn, Bärlauch und schließlich an meist trockeneren Stellen das Maiglöckchen. Nun finden wir weniger auffällige Pflanzen vor wie verschiedene Wald-Gräser, Wald-Labkraut, Goldnessel, Bingelkraut und verschiedene Farne. Auch die Rotbuche hat schon längst geblüht. Männliche Blütenköpfe und weibliche Blüten befinden sich an den Langtrieben eines Baumes (einhäusig), wobei die männlichen Blütenköpfe hängen und nach ihrer Blütezeit, Ende Mai abfallen und die weiblichen Blüten zu zweit aufrecht stehen. Sie entwickeln sich zu Früchten, den Bucheckern oder Bucheln, die im Herbst die Waldwege bedecken und von Tieren gern gefressen werden. Die Befruchtung erfolgt durch Windbestäubung.

 

Kleine Igelchen: Stachlige Buchenfrucht zwischen saftig grünen Blättern Foto: Atelier Papenfuss

Die Rotbuche ist die von Natur aus häufigste Baumart in Mitteleuropa, da sie unter den hiesigen klimatischen Bedingungen am konkurrenzkräftigsten ist. In Deutschland finden wir ausgedehnte Buchenwälder im Hainich, im Eichsfeld, in Schleswig-Holstein, in Mecklenburg, in den Mittelgebirgen, im Spessart, auf der Fränkischen Platte, im Steigerwald, auf der Schwäbischen und Fränkischen Alb. In Europa - und nirgendwo sonst kommt die Rotbuche vor - ist sie von den südeuropäischen Gebirgen bis Dänemark, Süd-England und Süd-Schweden verbreitet.
Der Baum kann an günstigen Standorten 30 bis maximal 40 m hoch, sowie 200 bis 300 Jahre alt werden. Es gibt auch Angaben von Einzelbäumen, die etwa 900 Jahre alt geworden sind. Die Krone eines solchen Baumes kann bis zu 450 bedecken. Bei forstwirtschaftlicher Nutzung wird die Buche in einem Alter von 120 bis 140 Jahren gefällt. Fast nur im Hainich findet sich die sogenannte Plenterwaldbewirtschaftung, eine auf Einzelstammentnahme ausgerichtete schonende Nutzung, die hier eine lange Tradition hat.

Die Buche liebt bodenfrische, gut durchwurzelbare Böden und luftfeuchte Lagen. Besten Wuchs zeigt sie auf frischen, basenreichen Böden, wie es auch im Hainich der Fall ist. Buchenwälder über Kalkgestein haben einen großen Reichtum an Tier- und Pflanzenarten und den schönsten Frühjahrsaspekt aufzuweisen. Sie sind auch von einem besonders hohen Erholungswert für den Menschen. Die in Deutschland häufigeren Buchenwälder auf sauren, silikathaltigen Böden sind dagegen relativ artenarm. Auf sehr trockenen und feuchten Standorten wird die sonst dominierende Baumart von anderen Bäumen verdrängt.

Die schlanken hohen und geraden Stämme der Buche, die Dichter zu Vergleichen mit Pfeilern eines gotischen Domes inspirierten, haben eine glatte, unverborkte, silbergraue Rinde. Die Winterknospen sind lang und spitz und auffällig zweizeilig angeordnet. Das Holz hat, besonders im verarbeiteten Zustand, eine rötliche Färbung, daher auch "Rot"buche. Der Name "Buche" hat seinen Ursprung in der Verwendung des Holzes zur Anfertigung von Schreibtafeln für den Buchdruck, worauf auch unser Wort Buch zurückzuführen ist.
Die äste der Buche sind schräg nach oben gerichtet und bilden eine dichte Krone. Das Blatt ist etwa eiförmig, mit einem fast glatten Blattrand. Die Buche ist ein Schattenbaum, der gut im Schatten groß wird und selbst viel Schatten wirft. Unter dem Schatten großer Buchen wachsen daher meist nur wieder Buchen heran. Andere Baumarten bekommen dort ihre Chance, wo durch Windwurf oder das Umstürzen alter Bäume größere Lücken in den Wald gerissen werden.

Formen der Buche mit roten Blättern werden als Blutbuchen in Parkanlagen schon seit langem kultiviert. Bei den Blutbuchen überdeckt roter Farbstoff (Anthocyan) das Blattgrün.

In den letzten Jahren ist die Buche eine Holzart mit vielseitigster Verwendung geworden. Rund 250 Anwendungsgebiete sind bekannt. Am verbreitetsten ist die Möbelherstellung, wobei besonders die Cafehaus-Stühle des Tischlermeisters Thonet berühmt geworden sind. Sie bestehen aus dampfgebogenen Buchenhölzern. Als Brennholz wird Buche ebenfalls gern verwendet und auch die Papierindustrie ist an ihrem Holz interessiert. Früher verwendete man Buchenholz auch zur Herstellung von Holzkohle und Pottasche für die Glasherstellung.

Die Buche diente vom frühen Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert in sogenannten Hute-Wäldern der Schweinemast. Eiche, Buche, Haselnüsse und Wildobstarten, wie Wild-Birne, Wild-Apfel und Vogel-Kirsche, waren zur Bekämpfung des Hungers im Mittelalter von großer Bedeutung. Sie dienten direkt und indirekt der Ernährung des Menschen. Die wenigen heute noch vorhandenen, meist freistehenden Hute-Buchen können wahre Giganten sein. Überreste eines solchen Riesen finden sich auch im Nationalpark Hainich. Der noch 4 m hohe Stumpf am Waldrand bei Craula hat den für eine Rotbuche beachtlichen Umfang von 5,20 m.
Heute entwickelt sich im Nationalpark Hainich, einmalig in Mitteleuropa, der für unsere Heimat typische Wald wieder in seiner ganzen Vielfalt - zum Urwald mitten in Deutschland.