Fledermäuse

Faszinierende Nachtgeister

Viele Tiere sind uns Menschen ganz nah, leben aber versteckt. Dazu gehören die Fledermäuse, die im Nationalpark allgegenwärtig sind. Durch ihre nächtliche Lebensweise sind sie allerdings schwer zu beobachten.

Über 950 Fledermausarten, das ist rund ein Fünftel aller bekannten Säugetierarten, bevölkern den Erdball. Die meisten leben in den Tropen und Subtropen. Aufgrund der klimatischen Bedingungen kommen in unseren Breiten nur sehr wenige Fledermausarten vor.  
Von den 24 in Deutschland lebenden Fledermausarten sind 20 in Thüringen beheimatet. Seit 1999 wird im Nationalpark Hainich intensiv nach Fledermäusen gesucht. Bislang konnten bereits 15 Arten festgestellt werden.

Nahrungsspezialisten

Im Laufe der Jahrmillionen haben sich Fledermäuse so vielgestaltig entwickelt wie kaum eine andere Tiergruppe. Viele Nahrungsspezialisten haben sich herausgebildet.
Die meisten Fledermausarten ernähren sich von Insekten. Daneben gibt es ca. 50 nektar- und pollenfressende Arten, aber auch solche, die sich von Früchten ernähren (ca. 230 Arten). Sieben Arten jagen kleine Wirbeltiere. Am bekanntesten sind sicher die Vampirfledermäuse (drei Arten), die in Südamerika leben. Sie ernähren sich ausschließlich von Blut.


Fledermausarten im Hainich

Im Nationalpark gilt das Prinzip "Natur Natur sein lassen". Für Waldfledermäuse stellt der Hainich mit seinen urwaldartigen Laubwäldern ein Eldorado dar. Dicke, alte Bäume mit Höhlen, Faulstellen und abstehender Rinde bieten viele Verstecke. Der Insektenreichtum sorgt für einen reich gedeckten Tisch.

Außerhalb des Nationalparks sieht es schlechter aus: Durch Baumaßnahmen gehen Quartiere in und an Gebäuden verloren. Die Tiere werden Opfer des Straßenverkehrs oder von Windrädern. Durch die Zerstörung naturnaher Landschaften und den Einsatz von Pestiziden wird den Fledermäusen die Nahrungsgrundlage entzogen. Für viele Gebäudefledermäuse sind deshalb die naturnahen Flächen des Nationalparks ein ganz wichtiger Teil ihres Lebensraumes. Zwischen den Dörfern und dem Wald herrscht daher reger nächtlicher "Flugverkehr".

Alle einheimischen Fledermausarten stehen unter strengem Naturschutz und sind durch internationale Abkommen geschützt. Besonderen Schutz genießen sechs Arten der FFH-Richtlinie der EU; drei davon leben im Nationalpark.

Faltblatt "Erkennen – Fledermäuse im Nationalpark Hainich"

Bechsteinfledermaus

Ein typischer Waldbewohner ist die Bechsteinfledermaus. Kennzeichnend sind die ziemlich großen Ohren und ihr langer, lanzettförmiger Ohrdeckel (Tragus). Sie lebt bevorzugt in Mischwäldern und ist in den Waldgebieten des Nationalparks flächendeckend vertreten. Die kleinen Reproduktionskolonien wechseln im Sommer häufig ihre Quartiere und entziehen sich leicht der Beobachtung.


Große Mausohrfledermaus

Die Große Mausohrfledermaus bevorzugt Dachbodenquartiere in Repräsentationsbauten wie Kirchen und Schlössern. Ein Quartier mit max. 800 Tieren befindet sich in Mihla.
Allabendlich fliegt ein Großteil von ihnen in den Nationalpark. Als Nahrungsspezialisten – sie ernähren sich überwiegend von flugun­fähigen Laufkäfern – durchstreifen sie die hallenar­tigen, unterwuchsarmen Hochwaldbereiche. Hier können sie ihre Nahrung auf dem Waldboden orten und erbeuten. Die größte heimische Art – sie hat ein Gewicht von ca. 35 g – benötigt täglich mindestens 12 g Insektennahrung. Das sind auf die Kolonie hochgerechnet 9,6 kg pro Nacht. Die während der Wochenstubenzeit von den Weibchen getrennt lebenden Männchen finden in Baumhöhlen des Nationalparks Unterschlupf.


Die Mopsfledermaus

Die Mopsfledermaus ist eine Rarität. Die kleine schwarzbraune Fledermaus mit ihrer mopsartig gedrungenen Schnauzenregion und den großen, das Gesicht einrahmenden Ohren, ist un­verwechselbar. Sie ist eine überwiegend waldbewohnende Art, die sich von kleinen, weichhäutigen Insekten ernährt.


Abendsegler

Der Große Abendsegler und der Kleine Abendsegler sind typische Waldbewohner. Der Große Abend­segler ist über den gesamten Sommer im Nationalpark zu beobachten. Bisher konnte hier aber noch keine Reproduktion festgestellt werden.
Es handelt sich um revierbesetzende Männchen. Sie bevorzugen Spechthöhlen, die im Spät­sommer als Balz- und Paarungsquartiere dienen. Als früh fliegende Art, vor allem im Spätsommer, sind sie schon lange vor Sonnen­untergang zusammen mit Mauerseglern am Himmel auf Jagdflug zu beobachten. Mit Fluggeschwindigkeiten von über 50 km/h sind sie hochmobil. Die Jagdgebiete können sich über 450 ha erstrecken.
Die weiteste saisonale Wanderung führte über 1.500 km. Genauso wanderfreudig sind die Kleinen Abendsegler. Ein markierter Kleiner Abendsegler flog 586 km weit zu seinem Winterquartier in die Schweiz. Nach vereinzelten Zufallsfunden konnte jetzt auch die Reproduktion und Jungenaufzucht im Nationalpark bestätigt werden.


Die Wasserfledermaus

Die Wasserfledermaus ist aufgrund ihrer Bindung an Gewässer eine recht auffällige Fledermausart. Wenn man an einem warmen Sommerabend am Hünenteich sitzt, kann man sie, ganz dicht über der Wasseroberfläche fliegend, beobachten. Hier jagt sie kleinen Mücken, Schnaken und Nachtfaltern hinterher. Sie erbeutet die kleinen Insekten in der Luft oder sammelt sie von der Wasseroberfläche ab. Die Insekten werden dabei mit dem Maul gefangen. Die Wasserfledermaus beherrscht aber auch den "Kescherfang". Dabei fängt sie die Beute mit der Arm- oder Schwanzflughaut direkt aus der Luft. Oder sie greift die Insekten mit ihren großen Füßen von der Wasseroberfläche ab und führt sie zum Maul.


Braunes Langohr

Typisch für das Braune Langohr sind seine übergroßen Ohren. Sein boden­naher Flug ist langsam und gaukelnd. Wie die Kolibris beherrscht das Langohr den Rüttelflug und ist so in der Lage, kleine, auch flugunfähige Insekten, von Blättern und Zweigen abzusammeln.
Im Nationalpark ist das Braune Langohr allgegenwärtig. Quartier bezieht es in höhlenreichen Bäumen. Auf Jagdflug trifft man es im Waldbestand, an Waldrandbereichen und auf reich strukturierten Offenlandflächen an. Den Winter verschläft es hier in Baumhöhlen und gerne in den wenigen durch Menschenhand geschaffenen unterirdischen Hohlräumen, wie z. B. in den alten, nur noch für die Fledermäuse zugänglichen Bunkeranlagen auf dem Kindel.


Die Zwergfledermaus

Die Zwergfledermaus ist ein echter Winzling. Gerne lebt diese Art in engen Spaltenquartieren im menschlichen Siedlungsbereich. Hier kommt sie noch recht häufig vor. Aber auch im Nationalpark bezieht sie Quartier und kann an vielen Stellen regelmäßig beobachtet werden. Hier bevorzugt sie alte Baumbestände, in denen sie im Kronenbereich Beute macht. Gerne jagt sie auch über Gewässern. Man kann sie leicht mit der ebenfalls im Nationalpark lebenden Mückenfledermaus verwechseln.


Brandtfledermaus & Kleine Bartfledermaus

Die beiden sehr ähnlichen Arten Brandtfledermaus und Kleine Bartfledermaus wurden erst 1970 als eigenständige Arten erkannt. Die Brandtfledermaus hat eine engere Bindung an den Wald. Die Kleine Bartfledermaus ist überwiegend eine hausbewohnende Art. Die Nahrungszusammensetzung ist bei beiden Arten ähnlich. Zur Leibspeise gehören kleine Schmetterlinge und Schnaken, aber auch flugunfähige Beutetiere wie Spinnen.


Die Fransenfledermaus

Die Fransenfledermaus ist eine mittelgroße Art, die im Siedlungs­bereich und in Wäldern lebt. Hier bevorzugt sie enge Spaltenverstecke. Sie wechselt gern und häufig ihr Quartier. Im Nationalpark findet sie, aufgrund der zahlreichen alten und höhlenreichen Bäume, hervorragende Bedingungen. Ähnlich wie beim Braunen Langohr sammelt auch die Fransenfledermaus einen Großteil ihrer Nahrung von der Vegetation ab.

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