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Teaser: Wanderführer Nationalpark Hainich
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Die Spechte im Nationalpark Hainich

Foto: Specht auf Ast
Buntspecht

Was ist ein Specht?
Im Handbuch der Vögel Mitteleuropas werden Spechte folgendermaßen charakterisiert: Stochernde oder hackende Kerbtierjäger mit meist hartem, kantigem, geradem Meißel, selten zarterem, leicht gebogenem Pinzettenschnabel und sehr spezialisierter Zunge.

Die Familie der Spechte (Picidae) umfasst rund 200 Arten. Mit Ausnahme der Polargebiete und Australien sind sie auf allen Kontinenten anzutreffen. Sie leben allerdings vorwiegend in Wäldern. Dabei reicht das Spektrum vom acht Gramm schweren und acht Zentimeter großen Schuppenzwergspecht bis hin zum 55 Zentimeter langen und 560 Gramm schweren Kaiserspecht, der mittlerweile vermutlich ausgestorben ist. Zu ihrem Alter ist nur wenig bekannt. Danach können Grün- und Grauspecht ein maximales Alter von ca. fünf, der Schwarzspecht von sieben und der Buntspecht von neun Jahren erreichen.

Zur näheren Verwandtschaft der Spechte gehören die überwiegend in den Tropen lebenden Familien der Bart- und Glanzvögel sowie die exotischen und farbenprächtigen Tukane.
In Europa leben zehn Arten, die alle - mit Ausnahme des Blutspechtes - in Deutschland regelmäßig brüten. Im Folgenden sind sie nach Körpergröße in abnehmender Reihenfolge aufgelistet:

  • Schwarzspecht (Dryocopus martius)
  • Grünspecht (Picus viridis)
  • Grauspecht (Picus canus)
  • Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos)
  • Buntspecht (Dendrocopos major)
  • Blutspecht (Dendrocopos syriacus)
  • Mittelspecht (Dendrocopos medius)
  • Dreizehenspecht (Picoides tridactylus)
  • Wendehals (Jynx torquilla)
  • Kleinspecht (Dendrocopos minor)

Unsere heimischen Spechtarten sind hochspezialisierte Baumbewohner, die es wie keine andere Vogelgruppe geschafft haben, neben dem Kronen- auch den Stammraum des Waldes zu nutzen. Voraussetzung hierfür waren Anpassungen beim Körperbau. Mit ihren sichelförmig gebogenen Zehenkrallen und den besonderen Sehnen und Muskeln des Laufes können sie steigeisenartig auch an glatten Stämmen Halt finden. Beim Klettern ist der kräftige, keilförmige Stützschwanz eine unentbehrliche Hilfe. Der Schnabel ist ein Universalwerkzeug zum Hämmern, Klopfen, Meißeln und wird - in Verbindung mit der langen, hochspezialisierten Zunge - als Pinzette oder Zange zur Nahrungssuche genutzt.

Spechte gelten - außerhalb der Brutzeit - als ungesellige Einzelgänger. Ihre meist lauten Rufe sind zu allen Jahreszeiten, besonders ausgeprägt aber im Frühjahr in den Morgenstunden, in unseren Wäldern zu hören. Eine Verständigung untereinander erfolgt durch Klopfen und Trommeln. Der Trommelwirbel des Schwarzspechtes besteht aus rund 40 Schlägen in zwei Sekunden und ist mehr als 1000 Meter weit zu hören.

Warum bekommen Spechte beim Hämmern kein Kopfweh?

Schnabel und Hirnschädel sind miteinander durch schwammiges Knochengewebe verbunden, welches das Gehirn wie eine Art Stoßdämpfer schützt. Daneben ist die Knochenhülle des Gehirns fester und dicker als bei anderen Vögeln. So fangen die Knochen- und Muskelkonstruktionen der Spechte die Wucht der Schläge auf - Kopfschmerzen bleiben aus.

Wie lange dauert der Höhlenbau?

Untersuchungen beim Schwarzspecht haben gezeigt, dass zur Anlage der Höhle in einer Buche ca. vier Wochen benötigt werden. Dabei wechseln sich Männchen und Weibchen bei der Arbeit ab. Nach der Fertigstellung kann eine Höhle über mehrere Jahre genutzt werden.
Zum Nisten meißeln sich die meisten Spechtarten Höhlen in Bäume. Einen Teil dieser Höhlen nutzen sie später auch als Schlafhöhlen.
Erstaunlicherweise spielen die Männchen beim Bebrüten der rein weißen Eier die dominante Rolle. So sitzt nachts stets das Männchen auf den Eiern und Nestlingen. Spechte brüten auffallend kurz - Buntspechte können schon nach acht Tagen Bebrütung schlüpfen, während es zum Beispiel bei der viel kleineren Blaumeise 12-14 Tage dauert.

Was fressen Spechte?

Neben pflanzlichen Produkten (zum Beispiel Fichtensamen) werden vor allem Kleintiere, wie Holz-, Rinden- und Blattinsekten, verzehrt.
Bei der Nahrungssuche hinterlassen Spechte markante Spuren: Aufgehackte Bäume auf der Suche nach Käferlarven oder Ameisen, sogenannte "Ringelbäume", die zur Saftgewinnung angebohrt wurden, zerwühlte Ameisenhaufen oder aufgehackte Fichtenzapfen, eingeklemmt in Astgabeln oder Baumritzen (sogenannte "Spechtschmieden").

Wer sind die Feinde der Spechte?

Fressen und gefressen werden - dies gilt auch für die Spechte. Sie gehören zur Beute von nächtlichen Jägern wie Waldkauz und Baummarder. Tagsüber müssen sie vor Habicht und Sperber auf der Hut sein. Manche Gelege werden von Eichhörnchen gefressen.

Spechte im Nationalpark Hainich

Unsere heimischen Spechte leben das ganze Jahr in unseren Wäldern. Lediglich der Wendehals verbringt den Winter im sonnigen Afrika. Folgende Spechtarten brüten im Nationalpark Hainich (in der Reihenfolge der Bilder):

  • Buntspecht (Dendrocopos major)
  • Grauspecht (Picus canus)
  • Grünspecht (Picus viridis)
  • Kleinspecht (Dendrocopos minor)
  • Mittelspecht (Dendrocopos medius)
  • Schwarzspecht (Dryocopus martius)
  • Wendehals (Jynx torquilla)

Die reich bebilderte Broschüre über die "Spechte im Nationalpark Hainich" ist in unseren Nationalpark-Informationen zu erwerben.