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Leibspeise: Bienen, Wespen, Hummeln

Ornithologie vom

Bienenfresser, Foto: Daniel Storch

Insekten als eiweißreiches Lebensmittel sind auch in der menschlichen Ernährung hierzulande immer wieder im Gespräch. In vielen asiatischen Ländern sind Heuschrecken und andere Krabbeltiere bereits heute völlig normale Snacks.

Das viele Vögel auf Insekten stehen ist auch bekannt. Ausgefallene Neigungen sind aber einigen Spezialisten überlassen. Haben es Kuckucke und Pirole oft auf große, dicht behaarte Raupen abgesehen, suchen Bienenfresser stattdessen ihre Leibspeise in der Luft. Mit geschickten Jagdflügen, ausgehend von einer erhöhten Sitzwarte, steuern sie direkt auf vorbeifliegende Großinsekten zu. Nicht selten sind dabei stechende und eigentlich durch ihre Warnfarben abschreckende Wespen und Bienen Ziel der Attacke. Treffender könnte der Name Bienenfresser deshalb kaum sein. Und umso erstaunlicher ist die Geschicklichkeit, mit der diese Vögel die gefürchteten Waffen der Insekten ausschalten. Nach der Landung wird die Beute mehrmals auf die Unterlage geschlagen, durchgeknetet und hochgeworfen, bis der Stachel mit dem Gift entfernt ist.

Daneben bestechen Bienenfresser durch eine exotische Farbenpracht, die erst beim regelmäßigen Sonnenbad der wärmeliebenden Vogelart voll zur Geltung kommt. Unter den heimischen Gefiederten gibt es nur wenige, die solch kräftige Farben tragen: Eisvogel, Pirol, Blauracke, Wiedehopf.

Vor wenigen Jahren noch galten Bienenfresser als ausgesprochene Rarität, in Thüringen waren sie nur auf dem Durchzug zu bestaunen. Mittlerweile gibt es auch hier einige kleine Kolonien und Ansiedlungsversuche. Die geselligen Tiere bevorzugen Flussufer und Kiesgruben, in deren steile Abbruchkanten sie ähnlich wie Uferschwalben Erdröhren graben. Am Ende des bis 2m langen Tunnels befindet sich die Brutkammer, in der ohne weiteren Nestbau zwischen Juni und August meist 3 – 5 Junge großgezogen werden.

Erst spät im Jahr kehren die bunten Vögel an ihre Brutplätze zurück. Kein Wunder: liegen die Überwinterungsgebiete doch in Ost- und Südafrika. Im August, wenn die Jungvögel flügge sind, erfolgt die lange Reise in umgekehrter Richtung, nicht selten im Familienverband.

Nach wie vor sind Standorte von Bienenfresser-Kolonien ein kleines Geheimnis. Zurecht, denn trotz deutlicher, vielleicht klimabedingter Zunahmen ist der Vogel eine Seltenheit.

In den letzten Tagen sind an verschiedenen Stellen rund um den Hainich ziehende und rastende Bienenfresser beobachtet worden. Zumeist ist es der markante Ruf, der den Blick zum Himmel schweifen lässt. Übrigens ein beliebtes Hintergrundgeräusch in Fernsehfilmen, leider oft in gänzlich falscher Umgebung.

Cornelia Otto-Albers

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