Wurzelhöhle

Skurriles aus der Unterwelt

Bisher blieb das Leben der Unterwelt den meisten Besuchern des Nationalparks verborgen. Nun werden die kleinen und großen Wunder der Zersetzung, skurril anmutende Krabbeltierchen und nervenzerreißende Räuber-Beute Begegnungen in der "Wurzelhöhle" im Nationalparkzentrum präsentiert.

25 Millionen Blätter fallen jedes Jahr pro Hektar auf den Waldboden des Nationalparks. Wohin ist das ganze Laub nun verschwunden, müsste es sich doch von Jahr zu Jahr immer weiter in die Höhe auftürmen?! Aber nein, eine Armada von abertausenden Krabbeltierchen kümmert sich um den "Bio-Müll" des Waldes. Jedes Tierchen hat dabei seine Aufgabe: Zerkleinern, Fressen, Material umwandeln, Blattbrei herstellen. Am Schluss ist aus den im Sommer prächtig grün schimmernden Buchenblättern nährstoffreicher Humus geworden, der so wieder dem Ökosystem zur Verfügung steht.

Und nicht nur das - wer hätte schon ahnen können, dass Pflanzen unter- und oberirdisch miteinander kommunizieren! Oberirdisch warnen sich Bäume über flüchtige organische Stoffe in der Luft, sogenannte Blattduftstoffe, gegenseitig vor Insektenfraß und lagern Abwehrstoffe in den Blättern ein, um den Parasiten die Mahlzeit zu verderben. Ulmen locken über Blattduftstoffe sogar gezielt Raubinsekten an, die wiederum den attackierenden Blattfressern einfach gleich den Garaus machen. Der Speichel hat dabei die angreifende Art entlarvt und der Duftstoff wurde speziell gegen ihn entwickelt. Wenn sich die Wurzeln benachbarter Pflanzen berühren, dann werden sie neben der Wasser- und Nährstoffaufnahme auch zum wachsamen Lauschen eingesetzt. Über chemische Stoffe werden so zum Beispiel Informationen über bevorstehende Dürrephasen auf- und weitergeleitet und so die nötigen Schritte zur Vorsorge veranlasst.

Die Wurzeln unserer Hainichbuchen sind auch der Ort einer höchst sinnvollen Partnerschaft, einer Symbiose, die beiden Beteiligten einen Vorteil bringt. Es handelt sich dabei um Mykorrhiza-Pilzgeflechte, die sich mit den feinen Endverzweigungen der Baumwurzeln verbinden. So hängt der eine vollständig vom anderen ab und dennoch ist es für beide eine win-win-Situation: Der Pilz hilft dem Baum nicht nur bei der Wasser- und Nährstoffaufnahme, er wehrt auch Krankheitserreger ab oder scheidet sogar für Fraßfeinde giftige Stoffe aus. Im Gegenzug liefert der Baum dem Pilz Fotosynthese-Produkte, die er als Pilz nicht selbst herstellen kann.