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Die Wildkatze im Nationalpark Hainich

Foto: Wildkatze auf Ast

Selten und scheu: Wildkatzen im Nationalpark Fotos: Th. Stephan

Sie leben zurückgezogen, versteckt, meist schlafen sie tagsüber und jagen nachts. Kaum jemand bekommt sie zu Gesicht. Aber sie sind da, hier im Hainich gibt es sie noch: die Wildkatzen...

Nein, es sind keine davongelaufenen Hauskatzen. Sie wirken größer als ihre Verwandten hinter dem Ofen, kräftiger und wilder als unsere Stubentiger. Und sie durchstreiften schon die Wälder Europas lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen mit über die Alpen brachten.

Steckbrief

Aussehen: Ähnlich einer wildfarbenen Hauskatze, aber buschiger Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfem, schwarzem Ende.
Fellzeichnung nicht kontrastreich, sondern verwaschen. Besonders im Winterfell gedrungen und kräftiger als Hauskatze wirkend (Ohren dann scheinbar kleiner).

Größe: etwa wie Hauskatze

Gewicht: Weibchen meist um 4 kg, Männchen um 5 kg.

Spuren: Vorderpfote 5 Zehen (der Daumen erscheint aber nicht im Abdruck!), Hinterpfote 4 Zehen. Spuren stets ohne Krallenabdruck.

Nahrung: In der Hauptsache Mäuse. Daneben, je nach Angebot auch Kaninchen, Vögel, Eidechsen, Frösche und Insekten. Aas nur in Notzeiten. Sehr selten vegetarische Kost.

Junge: Zwei bis vier, sogar sechs Junge pro Wurf kommen zwischen März und September zur Welt, die meisten Würfe gibt es im April.

Tragzeit: 63-69 Tage

Alter: Etwa 7-10 Jahre, in Gefangenschaft bis über 15 Jahre.

 

Foto: Wildkatze mit ihrem Nachwuchs

Wildkatze mit ihrem Nachwuchs im Nationalpark

Der Lebensraum der Wildkatze

Wildkatzen brauchen störungsarme, naturnahe Rückzugsgebiete, wie sie ausgedehnte Wälder bieten. Dort suchen sie besonders oft die inneren und äußeren Ränder des Waldes auf. Kleine Lichtungen, im Wald verborgene Wiesen und störungsarme Waldränder mit reichen Heckenstrukturen sind wichtige Elemente ihres Lebensraumes.

Der Nationalpark Hainich ist ein Wildkatzengebiet wie aus dem Bilderbuch. Hier finden die Tiere offenes Grasland, ausgedehnte Buschwälder und einen an Baumarten reichen Laubwald, der mitunter bereits urwaldähnliche Züge trägt. Auf etwa 7.500 ha Fläche präsentiert sich ein buntes Mosaik von einzigartiger Strukturvielfalt.

Einige Monate aus dem Leben einer Wildkatze

Mitte April bekommt das etwa vierjährige Weibchen zwei Junge. Die bringt es in einer Baumhöhle einer abgestorbenen alten Buche am Rande des Waldes zur Welt.
Wenn die Jungen etwa sechs Wochen alt sind, zieht die Familie um. Weit hinaus ins Buschland des südlichen Hainich, auf den Kindel, führt die Wildkatze ihre Jungen. Hier gibt es Mäuse im Überfluss. Eine im Gebüsch verborgene Betonplatte, ein Überbleibsel des einstigen Militärbetriebes, gewährt Schutz bei Regen und Wind. Bei schönem Wetter ist dieser künstliche Fels sogar ein guter Platz, um sich zu sonnen. Auch einige kleine Wasserstellen sind gleich nebenan. Ein idealer Ort, um den steigenden Nahrungsbedarf der Jungen zu decken und ihnen alle Tricks des Überlebens beizubringen. Hier bleibt die Familie bis Anfang August.
Da es die letzten Wochen nicht geregnet hat, sind die meisten Wasserstellen auf dem Kindel jetzt ausgetrocknet. Vielleicht kehren deshalb die Wildkatzen nun in den Wald zurück. Die Jungen sind jetzt bald vollkommen selbständig...

Im Hainich ist das geheime Leben der Wildkatze von dem Zoologen Thomas Mölich erforscht worden. Viele spannende Details und Ergebnisse dieser Studie finden sich in der reich bebilderten Broschüre "Spurensuche im Nationalpark Hainich: die Wildkatze", aus der die obigen Textpassagen stammen. Sie wird auch in unseren Nationalpark-Informationen angeboten.

Diashow

Wildkatze - Bild 1
Wildkatze - Bild 2
Wildkatze - Bild 3
Wildkatze - Bild 4
Wildkatze - Bild 5
Wildkatze - Bild 6
Wildkatze - Bild 7