. .
Suche
Seitenanzeige
Überblick
Teaser: Weltnaturerbe Buchenwälder
Teaser: MITMACHEN, Veranstaltungen im Nationalpark Hainich
Teaser: Wanderführer Nationalpark Hainich
Herausgeber

Biologische Vielfalt - Reichtum der Erde

Foto: Schwalbenschwanz auf einer Distel

König unter den Schmetterlingen - Schwalbenschwanz Bild: D. Mey

Über den Schwalbenschwanz

von Thomas Mölich

Er ist ganz sicher ein König unter den Schmetterlingen. Seine Schönheit und Eleganz wird selbst von jenen bewundert, denen Insekten - und ein solches ist der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) natürlich - ansonsten eher ein Gräuel sind.

Obwohl er fast über den ganzen europäischen Kontinent verbreitet ist, tritt dieser Vertreter aus der prachtvollen Familie der Ritterfalter örtlich meist nur selten auf. Im Nationalpark Hainich ist er aber regelmäßig recht gut zu beobachten, wenngleich sein Erscheinen natürlich nie vorhersagbar ist.
Immerhin neigen die männlichen Tiere dazu, sich an hohen Geländepunkten zu versammeln, wofür eigens das englische Fachwort "hilltopping" erfunden wurde. Wer auf eine solche Versammlung der farbenprächtigen Ritter trifft, darf sich wahrlich glücklich schätzen.

Innerhalb eines Jahres treten die Falter in mehreren Generationen auf. Die erste fliegt von April bis Juni, eine zweite von Juli bis August. Unter günstigen Bedingungen können im Herbst Einzeltiere einer 3. Generation beobachtet werden. Nicht weniger auffällig und im wahrsten Sinne des Wortes merkwürdig sind auch die stattlichen Raupen von Papilio machaon, wie der Schwalbenschwanz in der Sprache der Wissenschaft heißt. Die Jungraupe ist schwarz, mit hellem Rückenfleck, spätere Stadien sind grün, mit gelbrot gepunkteten schwarzen Ringeln.
Fühlt sich die Raupe in Gefahr, nimmt sie eine Drohstellung ein, bei der sie den Vorderkörper aufrichtet und ihre Nackengabel ausstülpt. Dieses bizarre Organ ist eine wirkungsvolle Verteidigungswaffe gegen Fressfeinde, denn es versprüht ein übelriechendes Sekret, das Buttersäure enthält.

 

Foto: Eine grüne Raupe mit gelb gepunkteten schwarzen Ringeln

Bizarr und farbenprächtig - die Raupe des Schwalbenschwanzes Bild: Th. Stephan

Machtlos sind die Tiere aber gegen die gewaltigen Umweltveränderungen, die der Mensch hervorruft. Kunstdünger, Gülle und Autoabgase schaffen ein nie gekanntes Nährstoffangebot in der Landschaft. Die Raupen des Schwalbenschwanzes fressen zum Beispiel an verschiedensten Doldenblühern wie Wilde Möhre, Wiesenkümmel, Sumpfhaarstrang oder Wiesensilge.
Durch die Überdüngung werden solche Pflanzenarten an ihren angestammten Wuchsorten von Allerweltsarten verdrängt, die unter den Bedingungen des Nährstoffüberflusses viel konkurrenzkräftiger sind. Mit ihren Futterpflanzen schwinden so auch die Bestände vieler Schmetterlingsarten. Leben braucht eben Vielfalt!
Verschwänden Tiere wie der Schwalbenschwanz für immer aus unserer Landschaft - nicht nur unsere Umwelt, auch unsere Innenwelt würde einen schmerzlichen Verlust erleiden. In der griechischen Sprache steht das Wort Psyche bekanntlich für die Seele und bedeutet außerdem Schmetterling...

Im Nationalpark Hainich ist der Schwalbenschwanz erfreulicherweise nur ein sehr prominenter Vertreter einer noch überaus bunten und reichen Schmetterlingsfauna. So hat der Schmetterlingskundler Rolf-Peter Rommel im Nationalpark bislang 580 Großschmetterlinge nachweisen können. Ermessen lässt diese Vielfalt sich zum Beispiel bei einer Wanderung entlang des Nachtigallenweges oder auf dem Wege von Craula zum Aussichtspunkt "Wartburgblick", vorbei am ob seines Orchideenreichtums berühmten Wachholderhoeg.