Leben braucht Vielfalt
Der Nationalpark Hainich hat sich an der deutschlandweiten Kampagne "Leben braucht Vielfalt" mit zwölf Fachartikeln beteiligt. Ziel ist es, auf die Vielfalt und den Reichtum der Natur aufmerksam zu machen.
Kraft eines gloriosen Zufalls der Natur, unserer Intelligenz, sind wir zu Hütern des Fortbestehens des Lebens auf unserem Planeten geworden. Wir haben uns nicht nach dieser Rolle gedrängt, aber wir können sie nicht ablehnen. Es mag sein, daß wir ihr nicht gewachsen sind, aber wir müssen uns ihr stellen.
Stephen Jay Gould
Biologische Vielfalt - Grundlage des Lebens
Unter Biologischer Vielfalt ("Biodiversität") versteht man den Reichtum der Lebensformen, ihrer Lebensräume und ihrer Beziehungen untereinander.
Die Natur und ihre Biologische Vielfalt sind unsere Lebensgrundlage. Sie liefert beispielsweise sauberes Wasser, fruchtbare Böden und Sauerstoff zum Atmen. Die Produkte der Natur ernähren uns, sichern Arbeitsplätze und sollen den Menschen ein gutes Einkommen gewährleisten.
Die Biologische Vielfalt umfasst die Gesamtheit der Lebensformen. Sie zeigt sich in der Vielfalt der Arten, ihrer Lebensräume sowie der Vielfalt an genetischen Informationen innerhalb der Arten.
Vielfalt der Arten
Die Biologische Vielfalt umfasst Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen. Ungefähr 1,75 Millionen Arten wurden bislang beschrieben. Das ist jedoch nur ein Bruchteil der gesamten Artenzahl der Erde. Unsere Kenntnisse über den tatsächlichen Artenbestand sind so lückenhaft, dass die Schätzungen der Wissenschaft sich zwischen 10 und 200 Millionen Arten bewegen.
Diese Artenvielfalt ist nicht alleine auf die tropischen Regionen beschränkt - auch wenn sie dort am größten ist. So sind in Deutschland ca. 6500 Käferarten heimisch.
Rund 1.400 Arten sind alleine auf Holz oder Holz bewohnende Pilze spezialisiert.
Vielfalt der Gene
Die ganze Bandbreite der genetischen Informationen innerhalb der Arten gehört ebenfalls zur Biologischen Vielfalt. Dazu zählen der unterschiedliche Geschmack verschiedener Apfelsorten oder das Aussehen der zahlreichen Hunderassen genauso wie die Formen- und Farbenvielfalt der unterschiedlichen Rosensorten.
Vielfalt der Landschaften
Die unterschiedlichen Lebensräume, wie Wälder und Heide, Flüsse und Seen, Agrar- und Stadtlandschaften sind Teil der Biologischen Vielfalt. Erst die Verschiedenartigkeit der Lebensräume ermöglicht, dass sowohl Tiere und Pflanzen als auch der Mensch ihren Bedürfnissen entsprechend leben können.
Genetische Reserven für die Gesundheit
Viele Pflanzen besitzen Inhaltsstoffe, von deren Nutzen wir heute noch gar nichts ahnen, die aber unter Umständen bestehende oder zukünftige Probleme lösen können. Aus bekannten Naturstoffverbindungen entwickeln Forscher zum Beispiel zahlreiche neue Medikamente.
Natur und Technik - ein gutes Team
Unter dem Leitbild "Lernen von der Natur" können die genialen Erfindungen der Evolution für technische Entwicklungen genutzt werden. Die Natur lässt sich nicht einfach kopieren, aber sie dient als Anregung für neue Entwicklungen.
Niemand kann voraussagen, welche " High-Tech-Schätze" noch im Verborgenen liegen. Die bisher entdeckten Möglichkeiten lassen nur ahnen, welche faszinierenden Chancen sich uns noch eröffnen können.
Das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt
Die Menschheit steht vor einer großen Herausforderung: Der Erhalt der Natur mit ihrer Eigendynamik und ihren Ressourcen muss zum Bestandteil unserer wirtschaftlichen Entwicklung werden.
Das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt ist das weltweit umfassendste Abkommen zum Schutz der Natur und zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen auch für kommende Generationen. Es wurde 1992 auf dem Erdgipfel in Rio de Janeiro verabschiedet. Das Abkommen ist ein völkerrechtlich bindender Vertrag, der von 181 Staaten unterzeichnet wurde.
Die drei wichtigsten Ziele sind:
1. der Schutz und Erhalt der Biologischen Vielfalt,
2. die nachhaltige Nutzung der Biologischen Vielfalt und
3. die gerechte Aufteilung der Vorteile aus dem Nutzen der Biologischen Vielfalt.
Auch Deutschland und die Europäische Union sind Vertragsparteien und haben sich damit verpflichtet, die Ziele des Übereinkommens umzusetzen.
Bedrohte Vielfalt
Das natürliche Kapital unseres Planeten, die Biologische Vielfalt, ist in Gefahr. Etwa alle 20 Minuten stirbt irgendwo auf der Welt eine Art aus - das sind mehr als 26.000 Arten jährlich. Wenn Arten verloren gehen, ist das nicht mehr rückgängig zu machen.
Durch diese Entwicklung nimmt sich der Mensch auch Chancen für die Weiterentwicklung von Forschung und Technik.
Die Kampagne
Zum zehnjährigen Bestehen des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt hat das Bundesumweltministerium eine breit angelegte Kampagne ins Leben gerufen. Ihr Slogan ist "Leben braucht Vielfalt". Anders als bei "reinen" Naturschutzkampagnen stehen Fragen der nachhaltigen Nutzbarkeit der Biologischen Vielfalt im Vordergrund.
Auch der Nationalpark Hainich beteiligt sich an dieser deutschlandweiten Aktion.
Die neuen Faltblätter zu den hier vorkommenden Vögeln und Pflanzen sind der erste Beitrag Thüringens, der von der Geschäftsstelle der Biodiversitätskampagne als offizieller Beitrag angenommen wurde. Unter dem Motto "Leben braucht Vielfalt", unter dem schon die diesjährigen Nationalparktage in Weberstedt standen, wird die Nationalparkverwaltung alle 14 Tage über einen besonderen Bewohner des Hainichs berichten.
Das Besondere: nicht so sehr die "Stars" wie Wildkatze, Schwarzspecht oder Rothirsch sollen dabei im Mittelpunkt stehen, sondern auch solche Lebewesen, deren Faszination sich erst dann erschließt, wenn man gelernt hat, genauer hinzusehen oder zu hören. So wird von winzigen Ungeheuern, skurrilen Käuzen, von verborgenen Schönheiten und vielen anderen im besten Sinne "merkwürdigen" Gestalten aus dem Reich der wilden Tiere und Pflanzen die Rede sein.
Mit einem Beitrag über das kleinste Raubtier der Welt, das Wiesel, wird der Reigen eröffnet.
Wer sich eingehender über die weltweite Artenvielfalt und ihre Bedeutung für den Menschen informieren will, dem sei das folgende ausgezeichnete Buch empfohlen: "Life Counts - Eine globale Bilanz des Lebens" von M. Gleich, D. Maxeiner, M. Miersch, F. Nicolay. Mit Beiträgen zahlreicher Gastautoren. Berlin Verlag.
Für den Text dieses Artikels wurde in Teilen auf die Broschüre "Biologische Vielfalt - Grundlage des Lebens" des Bundesamtes für Naturschutz zurückgegriffen, die dort kostenlos erhältlich ist.



