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Kontrollstichprobeninventur
Der Nationalpark Hainich zeichnet sich durch einen hohen Anteil naturnaher Waldbestände aus. Nadelbäume fehlen – mit Ausnahme der Eibe – von Natur aus im Hainich, künstliche Nadelwälder nahmen bei der Nationalparkgründung nur wenige Prozent ein.
Über die tatsächliche Arten- und Lebensraumausstattung fehlten aber ausreichende Kenntnisse. So war es vordringliche Aufgabe der Nationalparkverwaltung im Bereich Forschung, Lücken zu schließen und den Kenntnisstand deutlich zu verbessern.
Über große Teile der Waldflächen des Nationalparks lagen 1998 die Ergebnisse der Waldbiotopkartierung vor; 2003 wurde diese Kartierung für den Hainich abgeschlossen. Um den strukturellen Ausgangszustand des Waldes besser zu erfassen, fiel sehr schnell die Entscheidung, im Nationalpark eine permanente Kontrollstichprobeninventur (KSP)durchzuführen.
In Zusammenarbeit mit der Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei in Gotha wurde hierfür 1999 eine Methode entwickelt, die sich eng an das im Nationalpark Sächsische Schweiz praktizierte Aufnahmeverfahren anlehnt. Basis der Erhebung stellt ein 200 x 200 Meter Raster dar, das ab 1999 im Gelände eingemessen und markiert wurde.
An den Rasterpunkten wurden in Probekreisen Daten über die aufstockenden Bestände nach Baumarten und waldwachstumskundlichen Kennwerten sowie Totholz nach Mengen und Zersetzungsgrad aufgenommen.
Die wesentlichen Geländearbeiten zur Waldinventur erfolgten im Jahre 2000.
Parallel zur Stichprobeninventur wurde die Vegetation in den Probekreisen erfasst; diese Arbeiten konnten erst 2003 abgeschlossen werden.
Die Ergebnisse der Waldbiotopkartierung zeigen, dass der Nationalpark Hainich schon in seinen Anfangsjahren als besonders naturnahes Waldgebiet eingestuft werden kann.
Wesentliche Kennzahlen aus der Waldinventur, wie Vorrat und Totholz, zeigen aber auch die noch vorhandene Nähe zu Wirtschaftswäldern, wie zu den auf gleichem Standort stockenden Plenterwäldern des nördlichen Hainich.
Die Nutzung der Laubwälder war bereits zum Zeitpunkt der Erstinventur vollständig eingestellt, zwischenzeitlich fanden nur noch sehr begrenzte Eingriffe in die hier nicht natürlichen Nadelwaldflächen des Nationalparks statt.
Mit ca. 5.000 ha verfügt der Nationalpark Hainich heute über die größte nutzungsfreie Laubwaldfläche Deutschlands.
Der Hainich weist für Vergleiche von bewirtschafteten zu unbewirtschafteten Waldflächen sehr gute Voraussetzungen auf, da der Nationalpark den südlichen Teil des Höhenzuges umfasst, während der nördliche Teil weiterhin forstwirtschaftlich genutzt wird, größtenteils als Plenterwald; die Standortverhältnisse sind sehr ähnlich.
Aus dem Revier Langula, wenige Kilometer nördlich der Nationalparkgrenze, liegt die Auswertung einer permanenten Kontrollstichprobeninventur vor; die Geländeaufnahmen erfolgten 2004. Es wurde dort ein Vorrat von 408 m³/ha ermittelt, bei einer Stammzahl von 353. Bei der Verjüngung wurden 9638 Stück/ha errechnet.
Dem steht im Nationalpark Hainich eine wesentlich geringere Gesamtanzahl gegenüber (Dachsberg-Schnepfenhardt: 2544 Stück/ha; Weberstedter Holz: 3210 Stück /ha).
Beim Totholz wurde in Langula ein Wert von 6 m³/ha ermittelt, was einem Anteil von 1,5 % am stehenden Vorrat entspricht. 50 % des Totholzes entfiel auf Wurzelstöcke.
Ganz andere Zahlen liegen aus den ältesten und totholzreichsten Teilen des Weberstedter Holzes im Nationalpark Hainich vor; diese Flächen sind seit ca. 40 Jahren weitgehend nutzungsfrei. Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde auf einer ca. 30 ha großen Fläche ein Wert von 62,1 m³/ha Totholz bei einem Gesamtvorrat von 630 m³/ha ermittelt.
Insgesamt ist, wie nicht anders zu erwarten war, die Nähe der untersuchten Wälder des Nationalparks Hainich zu bewirtschafteten Wäldern noch sehr groß.
Für größere Unterschiede ist der Zeitraum der völligen Nutzungsfreiheit noch viel zu kurz. Große Teilgebiete waren zum Zeitpunkt der Aufnahme z.T. erst 2 – 5 Jahre, das Weberstedter Holz - ca. 35 Jahre aus der Nutzung.
Die Ergebnisse der ersten permanenten Stichprobeninventur
" Die Wälder im Nationalpark Hainich "
Das ist der Titel des ersten Bandes der neuen Schriftenreihe ERFORSCHEN in dem die Ergebnisse der 1. Stichprobeninventur anschaulich dargestellt werden.
Aktuell
Vom Herbst 2009 bis Juli 2011 erfolgte in mehreren räumlich- und zeitlichen Abschnitten die erste Wiederholungsaufnahme der Kontrollstichprobeninventur.
Die aktuelle Inventuranleitung für die Wiederholungsaufnahme können Sie hier als PDF- Datei (0,9 MB) herunterladen.
Ein Vergleich mit den Ergebnissen der Erstinventur, der zum Ende des Jahres 2012als ERFORSCHEN Band 3 veröffentlicht werden soll, wird dann zeigen, wie die natürliche Dynamik auf dieser relativ großen Fläche verläuft, wie sich Arten- und Bestandsstrukturen verändern und wie weit der Hainich schon vorangeschritten ist auf seinem Weg zum
„Urwald mitten in Deutschland“.














