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Wer hat an der Uhr gedreht?

Ornithologie vom

Sind es wirklich nur noch 80 Tage bis Weihnachten? Ist das Jahr schon wieder fast vorbei?
Im steten Kreislauf der Natur gibt es keinen Stillstand. Ob April, Juni oder Oktober - es herrscht rege Geschäftigkeit in der Vogelwelt.
Während die letzten Mönchsgrasmücken noch den perfekten Gesang erlernen und einige Zilpzalps noch mit einem Lied auf den richtigen Abreisetag warten, sind andere Arten fast schon in der neuen Saison angekommen. Kolkraben werben um ihren alten oder neuen Partner, Waldkäuze erfüllen die klaren Vollmondnächte mit hellen Rufen und Kleinspechte trommeln an sonnigen Herbsttagen voller Leidenschaft.
Auch Dohlen kümmern sich bereits wieder um ihre zukünftigen Brutplätze. Noch Ende Mai drängten sich hungrige, blauäugige Jungvögel neugierig unter dem Dach der Kirchen in Mihla, Bad Langensalza und Kammerforst.
Dem Vogel des Jahres 2012 ging es in den letzten Jahrzehnten vielerorts gar nicht gut. Brutplatzverluste an Gebäuden, in Parks und Wäldern sowie Nahrungsmangel infolge unverändert hohen Pestizideinsatzes, hatten fast überall stark rückläufige Brutbestände zur Folge. Schutzmaßnahmen an den letzten Brutplätzen konnten den Rückgang lindern. Vielleicht ist die seit einigen Jahren in Mihla bestehende kleine Kolonie aus 4-5 Paaren bereits Ausdruck einer wirklichen Bestandserholung.
In diesem Jahr brüteten mindestens drei Paare an der Marktkirche in Bad Langensalza, in Kammerforst tauchte ein Paar auf. Standesgemäß zogen Dohlen auch in die Dachkästen der Vogelschutzwarte Seebach ein.
Die geselligen Vögel bilden erst in der Gemeinschaft stabile Brutkolonien. Einzeln brütende Paare sind unstet und oft von einem zum anderen Jahr wieder verschwunden.
Die Nistplätze werden sogar außerhalb der Brutsaison täglich wenigstens für einige Minuten aufgesucht um nach dem rechten zu schauen, auch wenn die schwarmbildenden Krähenvögel sonst weit ab nach Nahrung suchen.
Neben Kirchen, Burgen und Felsen kommen höhlenreiche Waldgebiete und Parkanlagen als Brutplätze in Frage. Schwarzspechthöhlen haben die optimalen Maße und sind oft zu mehreren nebeneinander vorhanden, da der große Specht im Laufe der Zeit eine Reihe von Brut- und Schlafhöhlen im Revier zimmert.
Der Nationalpark Hainich bietet also beste Voraussetzungen für eine spontane Ansiedlung baumbrütender Dohlen. Wann und ob es tatsächlich dazu kommen könnte, hängt von vielen Faktoren ab und setzt vor allem dauerhaft steigende Bestände im Umfeld voraus.

Cornelia Otto-Albers

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