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Von Grünfinken und Grünschnäbeln

Ornithologie vom

Ob es nun an den leuchtend grünen und gelben Farben oder an seinem kräftigen Körnerfresserschnabel liegt: selbstbewusstes, fast streitsüchtiges Verhalten ist ein Markenzeichen des Grünfinken. Abgeleitet davon bezeichnet man vorlaute oder unerfahrene Menschen auch als Grünschnabel.

Bereits früh im Jahr machen sich die Grünfinken am Brutplatz durch ihren lauten Gesang und typische Balzflüge bemerkbar. Die Paarbildung erfolgt bereits in den Winterschwärmen. Besonders die Männchen glänzen durch große gelbe Flügel- und Schwanzfelder, die beim gaukelnden Singflug perfekt in Szene gesetzt werden. Der Rest des Gefieders ist fast überall kräftig grün, teils gelblich oder auch bläulich überzogen.

Die Brutzeit kann sich bis in den September ausdehnen, sodass die letzten Jungen erst im Spätsommer flügge werden. Aufgrund vielfältiger Brutverluste durch Katzen, Krähen, Elstern und Greifvögel schaffen es die meisten Paare aber häufig nur zwei Jahresbruten zu zeitigen. Gelegentlich kommt es zu Überschneidungen zwischen dem Ausfliegen von Jungvögeln und dem Neubeginn einer weiteren Brut. Man spricht dann von Schachtelbruten. So gelingt es einigen Paaren auch dreimal pro Jahr bis zu fünf Junge aufzuziehen. Auch Polygamie ist nicht selten.

Jetzt im September versammeln sich die geselligen Grünfinken in Schwärmen und suchen gemeinsam nach günstigen Nahrungsplätzen. Krautige Wegränder, Brachen und Wildäcker werden systematisch, Samen für Samen, abgeerntet. Neben reinen Grünfinkenschwärmen sind auch Vergesellschaftungen mit Ammern, Feldsperlingen, Stieglitzen und Buchfinken nicht selten. Auch am Futterhaus finden sie sich gern ein. Geschickt werden Sonnnenblumenkerne enthülst. Von den herunterfallenden Krümeln profitieren nicht nur die dreisten Haussperlinge, sondern auch Rotkehlchen und Heckenbraunellen, die ansonsten nur schwer an das begehrte Innenleben des Korns heran kommen.

Die gebüschreichen Offenflächen des Nationalparks bieten den Finken bis weit in den Winter ergiebige Futterreserven, wo neben Sämereien auch Fleisch und Kerne von Hagebutten aufgenommen werden.

Cornelia Otto-Albers

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