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Titelträger trägt kräftig auf

Ornithologie vom

Nun ist es gekürt: das Gesicht des Jahres 2016 ist lebhaft farbenfroh und anmutig! Auch der Rest des Vogels ist mit kräftigen Kontrasten ausgestattet. Gelb, Schwarz und Weiß sind munter auf dem Großgefieder verteilt und geben dem erwachsenen Stieglitz sein unverwechselbares Aussehen. Die kräftig rote Gesichtsmaske fehlt bei Jungvögeln noch.
Mit der Wahl zum Vogel des Jahres 2016 hat der Naturschutzbund Deutschland vor wenigen Tagen die Tradition fortgesetzt, mit einem typischen Vertreter der heimischen Vogelwelt auf drängende Probleme des Artenschutzes aufmerksam zu machen. Dabei steht nicht allein der Auserwählte im Fokus, er ist vielmehr ein Symbol für eine ganze Artengemeinschaft, deren Überleben von unserem verantwortungsbewussten Handeln abhängt.
Der Rückgang von Brachflächen, wildblumenreichen Wegrainen und krautigen Grabenrändern ist immens und bleibt nicht ohne Folgen für die Artenvielfalt.

Mit dem Verschwinden des Gesanges von Feldlerche, Stieglitz und Goldammer geht ein Stück Lebensqualität verloren, das nur mühsam und teuer zurückgeholt werden kann. Die Verantwortung wilder, ungeordneter und eigenwilliger Natur Raum zu lassen, beginnt in jedem Garten, jeder Gemeinde und betrifft nicht zuletzt die auf Masse getrimmte Landwirtschaft.
Der Bestand des Stieglitzes hat in Deutschland laut den Daten des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten von 1990 bis 2013 um 48 Prozent abgenommen. Offizielle Schätzungen gehen derzeit von 305.000 bis 520.000 Brutpaaren in Deutschland aus.
Der rund 12cm kleine Vogel gehörte einst zu den beliebtesten Käfigvögel, Soldaten und Polizisten wurden nach ihm benannt und manch medizinische Wirkung wurde ihm nachgesagt.
Man findet ihn am ehesten auf halboffenen, abwechslungsreichen Brachflächen, in Streuobstwiesen, Bauerngärten, Parkanlagen und auf Friedhöfen. Sie bieten dem Stieglitz die nötige Vielfalt pflanzlicher Nahrung, wobei die Sämereien verschiedener Distelarten an der Spitze stehen und ihm auch den Namen Distelfink eintrugen.
Die Wintermonate verbringen diese geselligen Finkenvögel in m.o.w. großen Schwärmen, in denen sich auch schon spätere Brutpaare zusammenfinden. Im März und April werden die Brutplätze erkundet und besetzt. Das kunstvolle Nest aus Halmen, Moos und Flechten wird gut versteckt in Außenästen von Laub- und Nadelbäumen angelegt. Oft brüten einige Paare in geringer Entfernung zueinander und halten sozialen Kontakt, fremde Vögel werden aus dem gemeinsamen Nestterritorium vertrieben.
Noch bis Ende August ist mit Stieglitzbruten zu rechnen. Manche Paare schaffen es in dieser Zeit drei mal Junge groß zu ziehen.
Jungvögel bilden kurz nach dem Selbsständigwerden Schwärme, zu denen sich zum Ende der Saison auch Altvögel gesellen. So können ab Herbst Hunderte Stieglitze gemeinsam auf ergiebigen Nahrungsflächen beobachtet werden.

Cornelia Otto-Albers

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