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Prima Versteck!

Ornithologie vom

Ob als Vorrat für den Winter oder als kurzzeitiges Zwischenlager – durch das Verstecken von Nahrung sichern sich Tiere ihr Überleben für kommende Tage, Wochen oder Monate.
Das Vorsorgen für mögliche schlechte Zeiten ist ein zukunftsorientiertes komplexes Verhalten, dass bei Vögeln ebenso wie bei Säugetieren beobachtet werden kann.
Wölfe können beispielsweise sehr große Futtermengen direkt aufnehmen, oft mehrere Kilo bei einer Mahlzeit, also im eigenen Körper speichern. Hier ist der Vorrat verhältnismäßig sicher vor Konkurrenten. Füchse vergraben Reste oder ganze Beutetiere an möglichst „geheimen“ Stellen und sorgen durch Tarnung noch für einen zusätzlichen Schutz vor Dieben. Bereits bei der Auswahl des Depotplatzes wird sorgfältig darauf geachtet, dass keine ungebetenen Zuschauer anwesend sind.
Auch Kolkraben zeigen dieses Verhalten und suchen ein neues Versteck, sobald sie sich ertappt fühlen.
Elstern, Krähen und Eichelhäher können große Mengen Nahrung an unterschiedlichsten Plätzen deponieren. Besonders dem Eichelhäher werden aufgrund dessen besondere Verdienste bei der Verbreitung der Eiche in unseren Wäldern nachgesagt.
Unter den Eulen und Greifvögeln finden sich oft größere Nahrungsvorräte in den Bruthöhlen und auf den Horsten, die überwiegend als kurzfristige Speicher für die Jungvögel dienen. Bereits vor dem Schlupf der Jungen animieren die Rufe der Kleinen aus dem Ei die Eltern zur verstärkten Futterbeschaffung.
Spezielle Vorratshöhlen können bei Sperlingskäuzen ganzjährig Dutzende Kleinvögel oder Wühlmäuse enthalten, besonders aber in den Wintermonaten.
Bei Nahrungsüberfluss ist auch bei Turmfalken das Verstecken von halben oder ganzen Mäusen zu beobachten. Neben alten Nestern, Höhlen und Gebäudenischen kann dies auch am Boden erfolgen. Der Rand einer Traktorfahrspur mit überhängendem Gras oder Krautbüschel am Fuße eines Leitungsmastes kommen da gerade richtig.
Ein sehr auffällige Sammelleidenschaft lässt sich fast an jedem Futterhaus beobachten. Regelmäßig suchen Kleiber das paradiesische Angebot aus Sonnenblumenkernen, Nüssen und anderen Sämereien auf. In kurzen Abständen stürmen die selbstbewussten Vögel zwischen die übrigen Futtergäste, sodass diese nicht selten für einen Augenblick auffliegen. Nun ist die Bahn frei für den Kleiber, der eilig, am liebsten gleich mehrere Leckerbissen in seinem Schnabel aufreiht und mit ihnen verschwindet. Da er unermüdlich in kurzen Abständen erneut am Futterbrett erscheint, wird schnell klar, dass er die Brocken nicht aufgefressen haben kann.
Es lohnt sich, einem solchen Vogel einmal zu folgen. Man wird ihn dabei ertappen, wir Körnchen für Körnchen in immer neuen Verstecken in der Nähe verschwinden. Rindenspalten, Moospolster, Totholz, Mauerritzen, Fachwerkrisse, Dachrinnen – immer wieder findet er etwas Neues, das wohl in seinen Augen optimal geeignet ist. Gelegentlich wird der versteckte Schatz noch mit etwas Material aus der unmittelbaren Umgebung bedeckt.
Kein Wunder, dass bei dieser Aktivität Futterplätze oft in Windeseile leer sind.
Es ist nicht anzunehmen, dass die Kleiber sich an die Fülle der Verstecke erinnern. Da sie aber in den kargen Wintermonaten wiederum alle Ritzen und Spalten in ihrem Revier absuchen, dürften sie oft ein Erfolgserlebnis haben. Teilen müssen sie aber doch, denn die schlauen Meisen untersuchen ebenso akribisch jedes abstehende Borkenstückchen.

 

 

Cornelia Otto-Albers

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