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Kleine Geschenke nicht nur in der Weihnachtszeit

Ornithologie vom

Kohlmeisen, Blaumeisen, Sumpfmeisen, Tannenmeisen, Feldsperlinge, Buchfinken, Kernbeißer, Grünfinken, Kleiber, Gimpel, Buntspechte und selbst Eichelhäher finden sich derzeit gern an Futterplätzen ein. Meist dominieren Kohlmeisen die Szenerie, doch auch die kleinen Blaumeisen sind durchsetzungsstark. Durch Schnelligkeit überzeugen Sumpf- und Tannenmeisen, während Kleiber auf den Überraschungseffekt setzen und gleich mehrere Körnchen hamstern. Der kräftige Schnabel des Kernbeißers ist konkurrenzlos unter den Finkenvögeln, doch den wütenden Angriffen futterneidischer Spechte ist auch er nicht gewachsen.
Eigentlich sind die Arten, die den Winter bei uns verbringen darauf eingestellt, sich unter den kargen winterlichen Bedingungen durchzuschlagen. Aber alle sind für ein bisschen Hilfe dankbar. Es ist deshalb aus ornithologischer Sicht auch nichts dagegen einzuwenden, bereits im Herbst mit der Zufütterung zu beginnen und diese bis zum Frühjahr kontinuierlich fortzusetzen.
Die Bestände vieler heimischer Vogelarten sind rückläufig. Auf monotonen Grünflächen ohne Kräuter, in Gärten ohne Laubhaufen und ohne beerentragende Sträucher ist das Überleben schwer.
Disteln, Habichtskräuter, Hagebutten und Weißdorn sind natürliche Vorratslager, die leider nur selten in Gärten und Parks geduldet werden.

Der Nationalpark Hainich zieht neben den „Ureinwohnern“ jährlich auch Schwärme nordischer Gäste an. Bergfinken, Erlenzeisige, Wacholderdrosseln und Seidenschwänze finden hier noch Sämereien und Beeren. Stieglitze holen selbst bei kräftigem Wind zielsicher die Samen aus den trockenen Kardenblüten.
Mit ihnen erscheinen auch Sperber und Merlin, schlanke, wendige Vogeljäger, die einfach ihrer Beute hinterher wandern.
Selbst unter den Kohlmeisen befinden sich reichlich Gäste aus dem Baltikum, Skandinavien und Russland. Ihre Rufe – quasi ihre Dialekte – verraten die ungefähre Herkunft. Die eigenwilligen Rufe osteuropäischer Gimpel trugen diesen Vögeln den Beinamen „Trompetergimpel“ ein.
Ende November konnte im Park der Vogelschutzwarte Seebach eine Litauische Kohlmeise nachgewiesen werden. Sie trug einen Ring der dortigen Beringungszentrale.
Ebenfalls in diesem Winter beobachteten Ornithologen im Eichsfeld eine polnische Kohlmeise. Das sind keine Ausnahmeerscheinungen. Nicht nur Afrika ist ein gutes Winterquartier.
Um die Vogelgemeinschaft des Winterwaldes besser beobachten zu können, wurde neben der Informationsstelle des Nationalparks an der Jugendherberge am Harsberg eine Futterstelle errichtet. Dort kann man bequem aus den Räumen der Ausstellung regelmäßig zwischen 8 und 10 Arten beobachten.
Der Futterplatz ist ein idealer Ort, um sich grundlegende Kenntnisse zum Aussehen und Verhalten heimischer Vogelarten anzueignen.

 

 

Cornelia Otto-Albers

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