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Ein Jahr wie im Flug - aus dem Leben eines Ornithologen

Ornithologie vom

Das Rotkehlchen ist auch in den Wäldern des Nationalparks zu Hause Foto: Achim Blank

Na wenigstens der Titel passt schon mal zu einem Vogelkundler!

Das vergangene Jahr war wieder voller neuer Eindrücke und es verging - wie immer eigentlich - unerwartet schnell. Hainich, Rhön, Rodachaue und Paulinzellaer Wald standen auf dem Programm. In kurzer Folge wurden diese vielfältigen Naturlandschaften aufgesucht und nahezu jeder Winkel durchleuchtet.

Die ornithologische Inventarisierung der Thüringer Vogelschutzgebiete ist in den letzten Jahren systematisch aktualisiert worden und bildet die Grundlage für den effektiven Schutz gefährdeter, besonders wertvoller Vogelarten in Thüringen. Sogenannte Vogelschutzgebiete sollen für den Erhalt der Artenvielfalt der Bundesländer einen entscheidenden Anteil leisten. Dafür müssen Größe, Naturausstattung, Bewirtschaftung und Pflege stimmen, wo nötig verbessert und regelmäßig kontrolliert werden.

Angesichts der straff organisierten Kartierungszeiten gerät das eigentliche Vergnügen an der Naturbeobachtung schon mal ins Hintertreffen. Auch Wetter und Gelände machen es einem an manchen Tagen recht schwer noch das Schöne an der Arbeit zu erkennen.

Im Gedächtnis bleiben aber zum Glück nicht nur die Stolpertouren über endlose Geröllfelder, die sich mit urtümlichen alten Rotbuchenwäldern an den Hängen der Kuppigen Rhön tarnen, das undurchdringliche Schlehenmeer des Kindels am Hainich, das regelmäßig grunzende Muskelprotze mit Herzinfarktpotenzial entlässt oder die Mückenschwadronen der Bischofsaue bei Heldburg, deren vierwöchige Fastenzeit just in dem Moment endet, als der Ornithologe im Gebiet auftaucht.

Bleibende Erinnerungen hinterlassen noch viel mehr die großen gelben Augen und das wuschelige Toupet des jungen Uhus im alten Steinbruch, das vom Knarren des Laubfroschs begleitete nächtliche Meckern verliebter Bekassinen in windstiller Frühsommernacht, die geräuschvollen Flügelschläge balzender Kiebitze über der nassen, hahnenfußgelben Wiese , die zentnerschweren Astburgen des Schwarzstorches auf meterdicken Buchen oder der in milder Septembersonne auf einem Strohballen dösend energietankende Steinschmätzer.

Der Zyklus endet und beginnt nahtlos, ständig, je nach Betrachtungsweise. Der kalendarische Jahreswechsel ist für uns Menschen, für den einem mehr, für den anderen weniger bedeutungsvoll. Eine Zeit zurück zu schauen, aber auch den Ausblick zu wagen, etwas zu ändern oder Bewährtes fortzuführen.

Achim Blank

Cornelia Otto-Albers

0361/57 3914 008