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Ein Hauch von Weihnacht

Ornithologie vom

Wind streicht durch die Wipfel der alten Buchen, die kahlen Zweige reiben sanft aneinander. Nur in den wenigen dunklen Fichten im Mülverstedter Holz bewirkt er ein anschwellendes kräftiges Rauschen. So schnell der Windstoß kam, so schnell ist er auch schon weitergezogen, immer auf der Suche nach dem nächsten Instrument.
Nur die Stimme des Kleibers mischt sich unter das Klappern der Äste.
In der Luft liegt der Geruch des nassen Waldbodens. Noch lässt der Schnee auf sich warten. Doch was die nächste Nacht bringt, weiß auch der Wetterbericht nicht sicher.
Gegen Mittag streifen sogar einige warme Strahlen minutenlang durch die grauen Buchenstämme und verleihen ihnen eine sandgelbe Sonnenseite. Der scharfe Kontrast verwirrt die Augen, sodass die weit hinten durch den Wald ziehenden Schwarzkittel kaum zu erkennen sind. Die Schatten der Stämme huschen über das dichte, schwarzbraune Winterfell. Sie drücken ihre Nasen tief in die lockere Laubschicht, um Fressbares zu finden. Die Erinnerung an die letzten zwei Winter mit Frost und Schnee ab November steckt sicher noch in den Köpfen der schlauen Wühler. Jetzt genießen sie die kurze sonnige Mittagszeit.
Auch die Waldkäuze profitieren von der milden Witterung. Im Laub raschelt die späte letzte, nun halbwüchsige Waldmausgeneration des Jahres. Sie entgehen dem scharfen Gehör des geduldigen Jägers nicht. Noch bieten keine Gänge unter Schnee Sicherheit.
Auf der Alterstedter Trift singt die Grauammer - fast mit der gleichen Leidenschaft wie im April.
Am 24. Dezember ist Heilig Abend – in diesem Jahr wohl ganz in grün und braun und grau. Nur als zerbrechlicher kristallner Hauch bettet sich Weihnachtsstimmung über Nacht auf Gräser und Zweige des Hainichwaldes.

Wie wird der Januar ? Und ist nicht eigentlich der Februar der echte Wintermonat?
Das Jahr ist alt, der Winter noch jung und für jede Überraschung gut.

Cornelia Otto-Albers

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