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Durchzügler im Perlenmantel

Ornithologie vom

Wasser – Seen, Teiche, Tümpel, Lachen, Gräben – nicht gerade Schlagwörter einer Hainichbeschreibung.

Die Gewässer des Nationalparks sind an einer Hand abzuzählen – Hünenteich, Düsteroder Teich, Silbersee. Daneben laden nur temporäre Kleinstgewässern in eng begrenzten Zeiträumen Wasservögel und Limikolen zum Verweilen ein.

Recht frei und mit offener Wasserfläche liegt am Südzipfel des Schutzgebietes der rund einen Hektar große Silbersee – gleich neben dem Goldberg. Ursprünglich als Speicher für die Landwirtschaft angelegt, reguliert der Damm im Westen den ungehinderten Abfluß des Regenwassers in die Böber.

Wen wundert es, daß sich zu Gold und Silber auch Perlen und fliegende Edelsteine gesellen.

Um es auf die Spitze zu treiben: der Schatz im Silbersee ist eine ganze Schatzkammer.

Viele Erstnachweise von Vögeln des Nationalparks stammen vom Silbersee: Knäkente, Pfeifente, Brandgans, Singschwan, Dunkler Wasserläufer, Grün– und Rotschenkel, Wasserralle, Bergpieper um nur einige zu nennen.

Zu den Stammgästen gehören der blau glänzende Eisvogel, oft als fliegender Edelstein bezeichnet, und das grünfüßige Teichhuhn.

Auch Bruchwasserläufer rasten hier unregelmäßig. Mit etwas Glück trifft man vor allem Anfang Mai und Anfang August auf kleine Gruppen, die bevorzugt am flach auslaufenden Nordufer nach einer Zwischenmahlzeit suchen.

Die weißen bis gelbbraunen Flecken auf der Oberseite wirken wie ein perlenbesetzter Mantel.

Auf dem Weg in die tropischen und subtropischen Überwinterungsgebiete verteilen sich skandinavische und russische Bruchwasserläufer in breiter Front über Mitteleuropa, um an bestimmten gemeinsamen Rastplätzen Fettreserven aufzubauen und zu mausern. Die ehemaligen Brutpopulationen Deutschlands verschwanden ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, sodaß aktuell bestenfalls noch mit sporadischen Bruten zu rechnen ist.

Im kurzen nordischen Sommer beginnen die meisten Bruchwasserläufer erst im Juni mit der Eiablage. Wie es bei vielen Limikolen Standard ist, liegen dann 4 kreiselförmige Eier in einer flachen Mulde des Bodennestes. Daneben gibt es Vögel, die die Sicherheit der Höhe bevorzugen und alte Drosselnester in Bäumen nutzen.

Typisch für Watvögel sind die langen Beine mit ebenfalls recht langen Zehen, die auch das Laufen auf der Algendecke der Gewässer ermöglichen. Zum Baumklettern wirken sie eher unpraktisch.

Die Weibchen verlassen den Familienverband oft noch vor dem Flüggewerden der Jungen. Nach rund einem Monat ist auch das Männchen wieder ungebunden, da die Jungvögel nun flugfähig und selbstständig werden.

Die Bestimmung der Limikolen fällt auf den ersten Blick nicht immer leicht. Flügelbinden, Schwanzzeichnung und Rufe können entscheidende Hinweise geben.

Cornelia Otto-Albers

0361/57 3914 008