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Die Lerche hat mich betrogen

Ornithologie vom

...der Kuckuck ist der erste Sommervogel. So oder ähnlich wird in alten Sprüchen das Eintreffen der Feldlerche in Mitteleuropa kommentiert.

Allerorts hört man jetzt das Lied der Lerchen hoch über den Feldern. Besonders an schönen sonnigen Tagen steigen sie auf, um ihren Revieranspruch zu demonstrieren. Immer wieder kommt es zu wilden Hetzjagden mehrerer Vögel dicht über dem Boden.

Selten überwintern einzelne Feldlerchen in unseren Breiten. Die meisten Vögel verlassen bis Anfang November Deutschland. Ein spezielles Beringungsprogramm widmet sich seit einiger Zeit dem Zug der Feldlerchen. Aktuelle Funde Thüringer Feldlerchen liegen aus Frankreich vor, mehr als 1100 km vom Beringungsort entfernt.

Gleichzeitig steht diese Vogelart als Indikator für eine naturnahe Agrarlandschaft und die Nachhaltigkeit der Landnutzung im Interesse des Umweltschutzes. Bisher ist es nicht gelungen, den Bestand der Feldlerchen so zu fördern, dass das angestrebte Bestandsniveau großflächig erreicht wurde. Die Feldlerche steht damit stellvertretend für sehr viele Vogelarten der Agrarlandschaft, die mit der aktuellen, sehr intensiven Bewirtschaftung nicht mehr zurecht kommen. Viele dieser Arten sind Bodenbrüter und leiden unter dem ständigen Maschineneinsatz. Nach wie vor hoher Biozidgebrauch vernichtet die Nahrungtiere. Vielerorts sind kontinuierliche Abnahmen zu verzeichnen.

Die Offenflächen des Nationalparks bieten gute bis optimale Lebensräume für Feldlerchen.

Bereits in den 1990er Jahren wurden Brutvogelzählungen auf den ehemaligen Truppenübungsplätzen durchgeführt. Seit Gründung des Nationalparks werden auf mehreren Offenflächen jährliche Erfassungen realisiert. Zwischen 6 und 60 Brutpaaren pro 100 Hektar wurden gezählt. Diese Werte liegen teilweise deutlich über den in anderen Publikationen genannten Werten.

Trotz der teils hohen Dichte und Nestabständen von minimal 40 Metern findet man die Nester nicht ganz einfach. In einer selbst gescharrten Mulde wird das Nest aus feinen Pflanzenteilen errichtet, oft gut getarnt unter überhängenden Halmen. Auch die 2-5 bräunlichen Eier verschmelzen förmlich mit der Umgebung. Die Eiablage erfolgt zumeist erst ab Mitte April.

Auch wenn die Feldlerche zusammen mit den ersten warmen Tagen im März nur die Illusion vom Sommer vermittelt, ist sie ein bemerkenswerter Vogel unserer Felder und Wiesen, dessen munteres Lied zu den ersten im erwachenden Frühjahr gehört. Und auf den Kuckuck müssen wir noch mindestens vier Wochen warten.

Cornelia Otto-Albers

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