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Die ägyptische Gans auf dem Blechdach

Ornithologie vom

Bunt, laut und selbstbewusst – so lässt sich ein besonderer Neubürger unter den Brutvögeln Deutschlands wohl ganz gut beschreiben.
Alopochen aegyptiaca – so der wissenschaftliche Name – heißt wörtlich übersetzt „Ägyptische Fuchsgans“. Besser bekannt ist sie mittlerweile vielen Menschen unter dem gebräuchlichen deutschen Namen Nilgans. Sie scheut die Nähe zum Menschen keineswegs, stammen doch die Vorfahren der heutigen mitteleuropäischen Population wohl alle samt aus Ziergehegen, Zoos und Parkanlagen.
Ausgangspunkt des Siegeszuges über ganz Mitteleuropa war Holland, wo 1994 bereits rund 1300 Paare lebten.
Im tropischen Afrika kommen Nilgänse an den unterschiedlichsten Gewässern von Bächen bis zu sehr großen Seen vor und sind dort ausgesprochen häufig.
Auch hierzulande können mittlerweile Ansammlungen von mehr als 100 Tieren bei der Nahrungsaufnahme auf Stoppelfeldern oder Wiesen beobachtet werden.
Zur Brutzeit sind sie jedoch streng territorial und dulden weder Artgenossen noch andere Vögel in ihrer unmittelbaren Umgebung.
Der Neststandort ist sehr variabel: in der Ufervegetation von Teichen, auf kleinen Inseln, in Greifvogelhorsten am Waldrand, auf Hausdächern, in großen Nistkästen oder Baumhöhlen oder in Weißstorchhorsten, die sie zuvor den eigentlichen Besitzern streitig gemacht haben.
Nicht zuletzt wegen dieses negativen Einflusses auf ohnehin bedrohte heimische Arten, wird die Nilgans von manchen Wissenschaftlern als erhebliche Störung des heimischen Artengefüges angesehen.
Der frühe Brutbeginn und mehrere Jahresbruten beschleunigen den Ausbreitungsprozeß. Bereits jetzt Anfang April gibt es Nachwuchs.
Nach neuesten Erfassungen dürften in Deutschland bis zu 7500 Paare brüten.
Auch rund um den Hainich ist diese Wasservogelart vertreten. Auf der Westseite bevorzugen sie die Nähe zur Werra, zwischen Mühlhausen und Erfurt sind es die Unstrut, die Herbslebener Teiche ebenso wie Stauseen bei Seebach, Grossengottern, Dachwig und Döllstedt. Aber auch kleine Parkgewässer und Feuerlöschteiche können genügen.
An der Alterstedter Trift nutzte kürzlich ein Paar die erhöhte Aussicht vom blechverkleideten Dach eines Hochsitzes, um sein zukünftiges Reich zu mustern.

Cornelia Otto-Albers

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