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Der Unauffällige

Ornithologie vom

Viel hört und sieht man nicht von ihm, unscheinbar grau und mit zarter Stimme sitzt er aufrecht auf einem dürren Buchenast im unteren Kronenbereich. Erst ein vorbeifliegendes Insekt – ein Käfer, ein Schmetterling oder eine Hummel – offenbart die Wendigkeit und Geschicklichkeit des Grauschnäppers. Sie werden mit überraschender Präzision zielsicher in der Luft gefangen. Nicht selten hört man dabei ein typisches Schnabelknappen.

Er zählt zu den wenigen Vogelarten, die noch im August Junge aufziehen und mit ihren kurzen zischenden „zst“-Rufen den still gewordenen Wald im Hochsommer beleben.

Grauschnäpper sind keine reinen Waldvögel. In Gärten und Parks, auf Friedhöfen und in Alleen leben die schlanken, knapp sperlingsgroßen Flugkünstler - nicht selten unerkannt.

Das Nest findet man in fast jeder Höhe. Ob hüfthoch oder mehr als 20 Meter über dem Boden in einer Stammgablung, der lockere Bau aus Halmen, dünnen Wurzeln und Moos steht meist in Halbhöhlen oder völlig frei und ist dennoch schwer zu entdecken. Solche Nistplätze können über mehrere Jahre immer wieder genutzt werden.

Jungvögel starten ihre Reise in die Winterquartiere in Afrika bald nach dem Selbstständigwerden Mitte Juli. Altvögel und Junge später Bruten können vereinzelt bis Oktober beobachtet werden. Im Schutz der Nacht führen die Wanderungen der Grauschnäpper durch Frankreich, Spanien und Marokko bis Nigeria oder Gabun. Das Ziel der Reise liegt aber nicht selten noch weiter südlich. Englische und skandinavische Vögel wurden in Südafrika wiedergefunden.

Die unzähligen Gefahren und klimabedingten Veränderungen der Umwelt haben in ganz Deutschland den Bestand schrumpfen lassen, nicht zuletzt haben sich wohl auch hierzulande die Nahrungsbedingungen verschlechtert.

Viele Gelege und Jungvögel im Siedlungsbereich fallen Störungen am Nistplatz und Katzen zum Opfer. Um Räubern zu entgehen, springen bereits befiederte Jungvögel bei Gefahr noch nicht flugfähig aus der Höhle. Sie werden von den Altvögeln dann außerhalb des Nestes weiter versorgt.

Recht sicher wird man Grauschnäpper im Nationalpark im Grünen Klassenzimmer bei Kammerforst und am Baumkronenpfad antreffen, wo er regelmäßig auf den Eisenträgern des Pfades brütet.

Cornelia Otto-Albers

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