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Balanceakt am schwebenden Zweig

Ornithologie vom

Schlanke graubraune Vögel hängen wie kleine Zapfen an den Spitzen der streichholzdünnen Birkenzweige auf der Alterstedter Trift. Im böigen Wind haben sie alle Not, sich festzuhalten. Erst auf den zweiten Blick erkennt man an der Stirn der recht furchtlosen Tiere einen roten Fleck. Bei einigen Exemplaren ist auch die Brust rot überflogen. Daran sind die Männchen gut zu erkennen. Direkt unter dem Schnabel sitzt ein kleiner schwarzer Kehlfleck. Rücken und Flanken sind deutlich längsgestreift. Mit den feinen kegligen Schnäbeln, die sie als typische Körnerfresser verraten, machen sich die Birkenzeisige über die winzigen Samen der Birken her.
Die rastlosen Vögel streichen im Winter von einer zur nächsten günstigen Futterquelle und sind nur selten länger an einem Ort. In manchen Jahren sind große Schwärme skandinavischer Vögel in Mitteleuropa anzutreffen, in anderen hat man Mühe, auch nur einen zu finden.
Birkenzeisige bewohnen sowohl lichte Bergwälder als auch Hochmoore und Siedlungen mit reichlich Koniferen und Birken.
Jetzt im Winter sieht man sie vor allem in den Wipfeln der Bäume, doch können sie heruntergefallene Körnchen und Kräuter auch am Boden aufnehmen.
Obwohl ihre bevorzugte Nahrung die Samen verschiedener Nadelbäume und Birken sind, kann während der Jungenaufzucht der Insektenanteil bis zu einem Viertel ausmachen.
Birkenzeisige brüten oft in kleinen Gruppen von 5-10 Paaren, vorwiegend in Lärchen und Fichten. In Siedlungen kommen auch viele andere Ziersträucher zur Nestanlage in Frage.
In Thüringen ist die Art ein eher seltener Brutvogel. Nachweise gibt es zwar aus verschiedenen Landesteilen, dazwischen liegen jedoch auch weite unbesiedelte Regionen. Erfurt, Bad Salzungen, Schleiz, Leinefelde und Jena gehören zu den Orten, in denen 2013 Birkenzeisige gebrütet haben könnten.
So sind die Wintermonate die beste Zeit, diesen kleinen akrobatischen Vögeln hier und da zu begegnen, nicht selten im Verbund mit Meisen, Erlenzeisigen oder sogar den deutlich größeren Wacholderdrosseln.

Cornelia Otto-Albers

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