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Wie pfeift der Blattwächter?

Ornithologie vom

Tag für Tag treffen derzeit die Zugvögel bei uns ein. Nachdem bereits im März diejenigen heimkehrten, deren Weg nach Deutschland nicht besonders lang war, kommen nun die wahren Marathonflieger: Nachtigall, Feldschwirl, Turteltaube und auch der Waldlaubsänger aus den Feuchtsavannen Äquatorialafrikas hat mehrere tausend Kilometer absolviert, um in den gemäßigten Klimazonen Mitteleuropas für die Erhaltung der Art zu sorgen. Dieser schlanke Laubsänger wartet mit leuchtend grünen, weißen und gelben Federpartien auf, die im frischen Lindgrün der austreibenden Buchenblätter eine hervorragende Tarnung bieten. Deshalb wird man wohl stets zuerst auf seinen markanten Gesang aufmerksam, der ihm auch den Namen Waldschwirrvogel einbrachte. Der wissenschaftliche Name „Phylloscopus“ kann mit „Blattwächter“ übersetzt werden.
Alle Laubsänger sind recht kleine, quirlige Insektenfresser, die unentwegt im Blätterdach der Bäume kleinen Kerbtieren nachstellen. Im Herbst können auch Beeren den Speisezettel erweitern.
Die Anlage des Nestes erfolgt jedoch überwiegend am Boden oder knapp darüber.
Im trockenen Buchenlaub, unter Grashalmen und zwischen Baumwurzeln baut der Waldlaubsänger ein kugelförmiges Nest, das gelegentlich noch mit einer kurzen Zugangsröhre versehen ist. Das Baumaterial holt das Weibchen aus der unmittelbaren Umgebung, sodass die Tarnung perfekt gelingt. Um ein solches Nest zu finden bedarf es entweder einer längeren Beobachtung der fütternden Altvögel oder eines glücklichen Zufalls.
Mit dem schwirrenden Gesang und klangvoll pfeifenden djü - djü...-Strophen werden in lichten Wäldern die Reviere markiert. Dabei werden Plätzen mit nicht zu dichtem Unterholz bevorzugt. So können sich dort mehrere Reviere aneinander anschließen, andere Waldteile aber völlig frei von Waldlaubsängern bleiben. Während des Singens schwebt der Vogel durch die Stämme und Äste des auserwählten Waldstücks und vollendet sein Lied erst nach der Landung auf einem Zweig oder einer Strauchspitze. Die Pfeiflaute erinnern an die des Gimpels oder haben, wie schon in einem 1920 erschienenen „Exkursionsbuch zum Studium der Vogelstimmen“ nachzulesen ist , „einen Klang, als ob das Vögelchen im Weltschmerz klage“.
Aus vier bis zehn Eiern schlüpfen nach etwa 12 Bruttagen, welche das Weibchen allein absolviert, die auf Kopf und Schultern spärlich bedunten Jungen. 12 Tage später sind sie weitestgehend befiedert und verlassen das Nest.
Verläuft gleich der erste Brutversuch erfolgreich, verlassen uns die Waldlaubsänger bereits im Juni, spätestens aber Anfang August haben die meisten „Blattwächter“ die heimischen Wälder wieder geräumt.
Besonders leicht sind Waldlaubsänger im Grünen Klassenzimmer und im Umfeld des Hünenteiches zu beobachten. In der Nacht vom 18. zum 19.4. traf dort der erste seiner Art 2012 ein.

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Cornelia Otto-Albers

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