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Weihe - Wühlmaus - Weihnachten

Ornithologie vom

Zwei Kornweihen überfliegen im tiefen Suchflug die Weideflächen um Craula. Dabei schwenken sie immer wieder elegant hin und her, um ja keine Regung im kurzen Gras zu übersehen. Ihr Interesse gilt vor allem den Wühlmäusen, Feld- und Erdmaus, die optimal an das Leben auf den steppenartigen Grasländern angepasst sind. Ihre Fellfarbe verschmilzt perfekt mit dem „erdbraun“ und „mausgrau“ der welken und frostgegilbten Grashalme. Selbst auf den wenigen freien Bodenstellen ist eine regungslos verharrende Maus kaum zu entdecken. Nur ihre Bewegungen verraten sie: das Wackeln der Grasbüschel, an denen sie nagen, die schnellen Ortswechsel zwischen den begehrtesten Kräutern, ja selbst das kauende Auf und Ab und Links und Rechts der Kiefer, wenn wieder ein Hälmchen im Mund verschwindet, könnte ihre Entdeckung zur Folge haben. Auch Rascheln und Piepsen gilt es zu vermeiden.

Es ist ein ständiges Messen der Sinne - und für beide, Weihe und Maus, geht es ums Überleben.

Ist ein unvorsichtiger Nager erspäht, stürzt sich der Greifvogel blitzschnell herunter, um die potenzielle Beute zuerst mit den vorgestreckten Beinen zu erfassen. Doch häufig bleibt die flinke Feldmaus der Sieger. Ein Netz von Eingängen in das unterirdische Gangsystem und geruchsmarkierte Laufwege bieten fast perfekte Rückzugsmöglichkeiten. Auch Kleinvögel müssen sich in acht nehmen. Lange Beine und wendiger Flug ermöglichen es vor allem den etwas kleineren Männchen sehr erfolgreich bodennah Finken und Ammern zu jagen. 7 bis 10 Mäuse pro Tag sollten es schon sein, das bedeutet bis zu 100 Fangversuche.

Die vorwiegend in Nord- und Osteuropa beheimateten Kornweihen erreichen Mitteleuropa im Herbst. Hier finden sie im Winter meist noch deutlich angenehmere Bedingungen als in der tiefverschneiten finnischen oder russischen Heimat.

Besonders auffallend sind die silbergrauen, aus der Ferne fast weiß wirkenden Weihen-Männchen. Diese Färbung bekommen sie im Verlauf des zweiten Lebensjahres zwischen Mai und September. Den ersten Winter tragen sie noch ein schlichtes Braun, das dem Alterskleid der Weibchen ähnelt.

In Deutschland ist die Art mit 40 – 60 Paaren ein seltener Brutvogel, dessen Vorkommen sich vor allem auf Moore und Heiden im Küstenbereich des Nordseeraumes konzentrieren.

Im Nationalpark Hainich wurde 1997 eine Brut auf dem Kindel registriert – eine Ausnahmeerscheinung!

Neben anderen Wintergästen – Wacholderdrosseln, Stieglitzen, Berg- und Grünfinken – kann dieser interessante Greifvogel jedoch regelmäßig bei Craula, gelegentlich auch bei Mülverstedt, Kammerforst und auf dem südlichen Kindel entdeckt werden. Ein Weihnachtsspaziergang mit Fernglas lohnt sich also in jedem Fall.

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Cornelia Otto-Albers

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