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Waldentwicklung im Nationalpark Hainich

Neuer Forschungsband stellt Ergebnisse vor

Wie verändert sich der Wald im Hainich nach Einstellung der Nutzung, welche Baumarten nehmen zu und welche ab, wie viele Stämme welcher Dicke wachsen pro Hektar und wie viel Totholz steht oder liegt im Wald? Antworten auf solche Fragen zu geben ist eine Aufgabe der Forschung im Waldnationalpark Hainich. Nun liegt druckfrisch Band 3 der Schriftenreihe „Erforschen“ zum Themenschwerpunkt Waldentwicklung vor. In ihm sind die Ergebnisse der in den Jahren 2009 bis 2011 durchgeführten Kartierung der Waldbiotope, der Erfassung der Waldstrukturen sowie der Aufnahme der Bodenpflanzen ausführlich dargestellt. Ein Vergleich mit den Daten der vor zehn Jahren erfolgten Erstaufnahmen zeigt erste Entwicklungstendenzen des Nationalparks auf dem Weg zum „Urwald mitten in Deutschland“.

Mit rund 5.000 ha weist der Nationalpark Hainich heute die größte nutzungsfreie Laubwaldfläche Deutschlands auf. In den vergangenen zehn Jahren ungestörter Entwicklung wurden keine dramatischen Veränderungen dokumentiert, was auch nicht anders zu erwarten war, da die Entwicklung von Wäldern in der Regel in deutlich längeren Zeiträumen erfolgt. Dennoch ist ein Trend zu erkennen. Die Ergebnisse und der Vergleich insgesamt zeigen, dass sich die Waldentwicklung im Nationalpark auf einem guten Weg hin zum Urwald befindet. Es wird jedoch ebenso deutlich, dass ein Zeitraum von 10 Jahren nur ein sehr geringer Abschnitt auf diesem Weg dahin ist.

„Mit diesem Forschungsband liegt ein wichtiges Werk vor, das mit fundierten Zahlen und Fakten die auch optisch schon von den Besuchern feststellbare Naturentwicklung im Hainich dokumentiert. Mein Dank gilt Allen, die uns bei der Realisierung dieser Forschungsaufgabe tatkräftig unterstützt haben“, so Manfred Großmann, Leiter des Nationalparks.

Im Rahmen der Waldbiotopkartierung wurde eine Zunahme der Waldfläche gegenüber der Erstkartierung um 260 ha ermittelt. Das ergibt eine derzeitige Gesamtwaldfläche von 5.287 ha bzw. 70,4 % der Nationalparkfläche. Diese Flächenzunahme resultiert vor allem aus der rapide fortschreitenden natürlichen Wiederbewaldung auf den Offenflächen im Kindelbereich. Die Buchenwälder dominieren mit ca. 58 % bei den Biotoptypen, wohingegen sich durch Einschlag, Sturmwurf und Borkenkäferfrass der Flächenanteil der Nadelwälder von ehemals 7 % auf insgesamt nur noch 4 % verringert hat. Langfristig werden die Nadelwälder, allesamt künstlich gegründet, aus dem Nationalpark durch Laubwälder verdrängt werden. Der Nationalpark ist damit in den letzten 10 Jahren waldreicher und noch natürlicher geworden.

Im Rahmen der Waldinventur wurden an insgesamt 1.421 Probekreisen Daten aufgenommen. Der Holzvorrat ist gegenüber der Erstinventur auf den nutzungsfreien Waldflächen im zentralen Bereich des Nationalparks um rund 100 m³/ha gestiegen, d.h. ein Zuwachs von ca. 10 m³/ha und Jahr. Mit Werten von bis zu 600 m³/ha liegen damit die alten Buchenbestände im Hainich schon jetzt nahe den Werten der Urwälder der Karpaten. Die Totholzvorräte sind nur gering auf durchschnittlich 16,4 m³/ha angestiegen, was insbesondere auf das relativ geringe Alter der Bestände und deren damit verbundene Vitalität sowie auf die erst kurze Zeit der Nutzungseinstellung (15 Jahre) zurückzuführen ist. Erst im höheren Alter wird es zu größeren Totholzmengen durch natürlichen Zusammenbruch kommen. In Teilbereichen wie im Weberstedter Holz, fast schon ein halbes Jahrhundert nutzungsfrei, sind aber schon heute beträchtliche Totholzvorräte von über 50 m³/ha vorhanden, ähnlich wie in echten Urwäldern.
Auf ¾ aller Probeflächen wurde eine Verjüngung der Bäume festgestellt. Auch in der Verjüngung dominiert die Buche. Sie wird daher in der künftigen Baumgeneration eine noch höheren Anteil einnehmen. Die Wiederholungsaufnahme der Krautschicht ergab nur geringe Veränderungen. Die im Vergleichszeitraum dichter und damit schattiger gewordenen Waldbestände führten insbesondere zu einem Rückgang der Offenlandarten in der Bodenvegetation.

Der Forschungsband mit seinen 166 Seiten, zahlreichen Fotos, Abbildungen und Tabellen ist ab sofort zum Preis von 8 € in allen Nationalpark-Informationsstellen oder direkt in der Nationalparkverwaltung erhältlich.

Manfred Großmann
Nationalparkleiter

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Cornelia Otto-Albers

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