Einzelansicht

Von Amts wegen mit Perücke

Ornithologie vom

Überraschungen erlebt man im Hainich immer wieder. Manchmal sind sie versteckt, manchmal offensichtlich.
In namensgebender Amtstracht präsentierte sich ein Neuling im Nationalpark am Osterwochenende am Hünenteich.
In prächtiger, von Orange-Tönen dominierter Robe – hohen chinesischen Staatsbeamten gleich – saß ein Männchen der Mandarinente auf den umgestürzten Bäumen im Mittelteil des kleinen, stillen Waldteiches. Einige Tage später konnte auch noch ein Weibchen festgestellt werden.
Die aus Ostasien stammende kleine Entenart ist ein beliebtes Ziergeflügel, das jedem Parkgewässer einen Hauch von China verleiht. Ein aufstellbarer Federschopf und eine orangefarbene Halskrause vergrößern den Kopf wie eine Perücke.
Aufgrund des imposanten Prachtgefieders der Männchen wurden sie vielerorts von Vogelliebhabern in Parks und Tiergärten gehalten und gezüchtet.
Von den oft im Freiflug gehaltenen Parkvögeln kehrten gelegentlich Exemplare nicht in die Gehege zurück und konnten sich unter den gemäßigten klimatischen Bedingungen Mitteleuropas in freier Natur erfolgreich fortpflanzen.
Eine dauerhafte Etablierung war jedoch nur regional möglich. In den 1980er Jahren begann eine merkliche Zunahme der Brutpaare verbunden mit Arealerweiterungen. So brüteten Mandarinenten erstmalig 2001 in Warschau.
In Deutschland existieren besonders in Berlin und Brandenburg bedeutende Brutvorkommen.
Neben stehenden Gewässern fühlen sich Mandarinenten auch an größeren Flüssen wohl. Die überwiegend pflanzliche Nahrung wird durch Wasserinsekten und Schnecken ergänzt.
Nach der Paarbildung, die schon im September beginnt, kommt es im folgenden April oder Mai zur Ablage relativ großer Gelege. Oft werden mehr als zehn Eier in Baumhöhlen abgelegt. Die nach ca. 30 Tagen nahezu gleichzeitig schlüpfenden Jungen verlassen sehr schnell das Nest und werden vom Weibchen zu den Nahrungsplätzen geführt. Dabei müssen teilweise erstaunliche Entfernungen zurückgelegt werden, da die Brutplätze 1-2 km vom Wasser entfernt sein können.
Der höhlenreiche Wald des Hainichs bietet sicher die eine oder andere geräumige Unterkunft für diese bunten Neubürger, sodass ein Brüten in Zukunft nicht unmöglich scheint. Die Auswirkungen der Etablierung einer weiteren gebietsfremden Art in Mitteleuropa bleibt jedoch immer ein ökologisch fragliches Ereignis.

 

 

Kontakt

Ansprechpartner_in

Cornelia Otto-Albers

0361/57 3914 008