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Urwaldfledermaus vermehrt sich im Nationalpark Hainich

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Besenderte Mopsfledermaus im Nationalpark Hainich. Foto: Martin Biedermann

Nachweis einer Wochenstube gelungen

Fast 20 Jahre musste der Nationalpark alt werden, bis er von der Mopsfledermaus als würdiges Zuhause für Nachwuchs akzeptiert wurde. Erstmalig wurde eine sogenannte Wochenstube von 9 Weibchen mit ihren Jungtieren in der Kernzone des Nationalparks entdeckt. Der spektakuläre Fund gelang einem Forscherteam von NACHTaktiv, Biologen für Fledermauskunde aus Erfurt, im Auftrag der Nationalparkverwaltung.

Der Lebensraum der Mopsfledermaus sind naturnahe Wälder. Sie sucht ihre Quartiere an alten, absterbenden oder toten Bäumen, deren Borke sich bereits ablöst, in Blitzspalten oder in Zwiesel-Bäumen. Daher wird diese Fledermausart auch Urwaldfledermaus genannt. Im Wirtschaftswald finden sich solche Bäume nur selten. "Bei uns im Nationalpark dürfen die Bäume alt werden und müssen nicht 'perfekt' aussehen, denn gerade diese 'Fehler' sind für seltene Tiere wie die Mopsfledermaus lebensnotwendig. Schön, dass sie sich bei uns wieder so heimisch fühlt und sich fortpflanzt", sagt Nationalparkleiter Manfred Großmann. In den letzten Jahren sind lediglich Nachweise von Einzeltieren gelungen.

Das Insektizid DDT und die intensive Waldwirtschaft haben es der Mopsfledermaus zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr schwer gemacht. Um 1950 galt sie in vielen Regionen Deutschlands lokal als ausgestorben - so auch im Bereich Eisenach- Hainich- Eichsfeld. Mittlerweile haben sich die Bestände in den verbliebenen Reliktgebieten, wie z.B. Kyffhäuser und Hohe Schrecke, erholt und eine langsame Rückeroberung verlorener Areale hat begonnen. Dennoch gilt sie bundesweit als vom Aussterben bedroht, ihr Verbreitungsschwerpunkt scheint nach derzeitigem Kenntnisstand in Thüringen und Bayern zu liegen.

Aus der Naturschutzforschung in Nationalparken kann viel für die naturverträgliche Nutzung der Wirtschaftswälder gelernt werden. So könnte die Mopsfledermaus auch im "normalen Wald" überleben, wenn einzelne Bäume, die geeignete Quartierstrukturen aufweisen, bewusst stehen gelassen werden würden.

Manfred Großmann
Nationalparkleiter

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