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Sternenmeer und Donnergrollen

Ornithologie vom

Millionenfach liegen eisig funkelnde Sterne auf den erstarrten Buchenästen.
Bäume und Sträucher trotzen dem Gewicht solange sie können. Die schwere Last formt ein Labyrinth aus tiefen Bögen über dem verschneiten Waldboden. Aber selbst für manche starken Arme ist es irgendwann zu viel. Krachend stürzen sie zu Boden und hinterlassen mal gerade, mal zersplitterte helle Wunden, während das Grollen im Wald verhallt.
Im Spiel des Windes strecken sich waagerechte Nadeln dicht an dicht in den Himmel.
Erst in den seltenen Sonnenstunden entfaltet sich der weiß-blaue Zauber in allen Schattierungen.
Dort wo die Strahlen längere Zeit wirken können, erfüllt ein zunehmendes Rauschen aus Tausenden Wassertropfen den Wald, einem unruhigen Bergbach gleich. Herabstürzende Eisbrocken fallen dumpf in den tiefen Schnee. Immer wieder ist man gewillt, an plötzlich, in nächster Nähe aufspringende, flüchtende Tiere zu glauben.
Der Winter hat den Hainich unter einem weißen Mantel eingefangen.
Und mit ihm auch viele seiner Bewohner. Noch vor einigen Tagen erklangen die ersten, frühlingsverheißenden Strophen der Kohlmeisen. Nicht wenige Stare und Ringeltauben sind bereits aus den Überwinterungsgebieten zurückgekehrt.
Nun sitzen sie mit eingezogenem Hals und kalten Füßen dort, wo Aussicht auf Futter besteht: an Wildfütterungen und in umliegenden Ortschaften. Selbst Goldammern tauchen inmitten von Siedlungen auf, wo sich bereits Feldsperlinge und Grünfinken an Futterhäuschen eingefunden haben
Hunderte Wacholderdrosseln stürzen sich auf Weißdornbeeren und die letzten Äpfel.
Selbst an der immer windigen und rauen Craulaer Lehde suchen neun Stieglitze unverdrossen nach letzten Samenkörnchen in den trockenen Blütenständen der Flockenblumen, die kaum noch über den Schnee ragen. Am Steingraben verraten Spuren die Anwesenheit eines Eichhörnchens, das mit weiten Sätzen zwischen zwei starken Hainbuchen wechselte.
Der Hainich vermittelt in dieser Jahreszeit einmalige, stets neue und überraschende Perspektiven.

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Cornelia Otto-Albers

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