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Seltenes „Kiewit“ in Sichtweite des Baumkronenpfades

Ornithologie vom

Die Brutsaison der Vögel nähert sich nun, da die Tage – wenn auch noch fast unmerklich – wieder kürzer werden, dem Ende. Jungvögel streifen selbstständig umher, nicht selten schon mit einer südlichen Tendenz Richtung Winterquartier.
Andere Arten sind noch gemeinsam mit den Jungvögeln unterwegs.

Besonders früh im Jahr versuchen Kiebitze ihr Glück. Manchmal liegen schon in den letzten Märztagen vier lehmgelbe oder olivgrüne Eier mit kräftiger Fleckung in einer flachen Mulde am Boden. Dementsprechend setzt nach erfolgreicher Brut bereits im Mai und Juni der sogenannte „Frühsommerzug“ ein.
Die bevorzugten Brutplätze befinden sich in feuchten Wiesen, Mooren, an verlandeten Teichen und auf Äckern.
Der dramatische Verlust von Feuchtgebieten in den letzten 30 Jahren hat die Kiebitze gezwungen, auch auf völlig trockenen Feldern zu brüten.
Bereits seit 1900 führten Trockenlegungen und intensivere Landwirtschaftsmethoden zu empfindlichen Brutplatzverlusten.

Der deutsche Bestand wird nach den neuesten Ergebnissen der bundesweiten Brutvogelkartierung auf 63.000 bis 100.000 Paare geschätzt. Damit brüten lediglich noch drei Prozent der europäischen Population in Deutschland. Höchste Dichten werden im nordwestdeutschen Tiefland erreicht. Ein anhaltender Rückgang bestimmt aber auch hier den Bestandstrend.

Heute sind besonders in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen viele Brutgebiete vollständig aufgegeben worden.

Der Anblick von Kiebitzen gehört deshalb schon lange nicht mehr zu den alltäglichen Ereignissen.

Im Nationalpark begegnet man diesen kontrastreich gefärbten Limikolen am ehesten in den Monaten Februar und März sowie von Juni bis September. Die in Trupps bis zu mehreren hundert Exemplaren durchziehenden Vögel rasten dann zumeist in den Randgebieten, wo Grünland oder Weideland den Nationalpark begrenzen z.B. bei Craula.

Zu den bekanntesten Lautäußerungen der Kiebitze zählen die langgezogenen kie-wit-Rufe, die besonders bei Balzflug und Feindabwehr zu hören sind.

Das Sammeln von Kiebitzeiern zum Verzehr hatte in vielen europäischen Ländern Tradition. So wurden in Holland in nur einer Stadt Anfang des 20. Jahrhunderts jährlich rund 125.000 Kiebitzeier auf dem Markt angeliefert.

Als Schokoeier, die sich in Form, Größe und Färbung allerdings nur noch entfernt am Vorbild der Natur orientieren, lassen sich diese Spezialitäten (fast) ohne Reue genießen.

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