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Pinselohr ist zurück – erster Luchs-Nachweis im Nationalpark Hainich

Endlich – schon seit etlichen Jahren wartet man im Nationalpark Hainich auf einen eindeutigen Nachweis des Luchses. Jetzt konnte der Luchs anhand der Spuren an einem von ihm erbeuteten Reh zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Luchs hier im Nationalpark auftaucht, so Nationalparkleiter Manfred Großmann: „Ich habe schon vor zehn Jahren eine Belohnung für den Mitarbeiter ausgesetzt, der den ersten eindeutigen Nachweis erbringt.“ In den letzten Jahren gab es immer wieder glaubhafte und sichere Nachweise im unmittelbaren Umfeld des Nationalparks. Woher der jetzt nachgewiesene Luchs kommt, ist unklar, doch dürfte er mit großer Sicherheit aus dem Wiedereinbürgerungsprogramm im Harz stammen, wo vor mehr als 10 Jahren insgesamt 24 Tiere ausgewildert wurden. Von diesen Tieren gibt es zwischenzeitlich Nachwuchs in freier Wildbahn, auch im Thüringer Teil des Harzes.

Der Luchs hat eine Kopf-Rumpf-Länge zwischen 80 und 110 Zentimetern und eine Schulterhöhe von etwa 55 Zentimeter. Damit ist er etwa so groß wie ein Schäferhund und die größte Raubkatze Europas. Charakteristisch sind das hellbraun-gefleckte Fell, die Haarpinsel auf den Ohren, sein Backenbart und der Stummelschwanz mit schwarzem Ende. Der Luchs gehört zur ursprünglichen Tierwelt unserer Wälder. Seine Hauptbeute sind Rehe. Für den Menschen ist er ungefährlich. Dagegen ist der Mensch für den Luchs gefährlich: Der Straßenverkehr und illegale Abschüsse gelten als die Hauptursachen dafür, dass bei uns seine Rückkehr in die Wälder nur sehr zögerlich verläuft.

„Enttäuschen muss man die Besucher, die erwarten, hier – oder auch woanders – einen Luchs in freier Wildbahn zu sehen“, so Manfred Großmann. Der Luchs ist ein scheuer Waldbewohner, der für den Menschen weitgehend unsichtbar bleibt. Auch ist der Nationalpark allein zu klein als Lebensraum, selbst für nur einen Luchs. Er kann in einer Nacht Strecken von 40 bis 50 km zurücklegen, so dass er heute bereits im wahrsten Sinne des Wortes über alle Berge sein kann. Luchse sind in ihrem Revier, das 10.000 Hektar und mehr umfassen kann, ständig auf Achse. Aufgrund ihrer Jagdstrategie und zur Kontrolle besuchen sie regelmäßig die meisten Teile ihres Reviers innerhalb von 15-30 Tagen.

„Wir freuen uns sehr, dass der Luchs den Nationalpark Hainich entdeckt hat, auch wenn er selbst für uns und die Besucher unsichtbar bleibt. Denkbar wäre, wie im Falle der Wildkatze und dem 2012 eröffneten Wildkatzendorf Hütscheroda, den Luchs in einem naturnah gestalteten Freigehege dem Besucher zu präsentieren. Pläne dazu gibt es schon.“, so Manfred Großmann. Und der Ranger Helge Graßhoff, dem der Nachweis gelang, darf sich über eine schöne Belohnung freuen.


Manfred Großmann
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