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Paradies mit Eule

Ornithologie vom

Unweit der östlichen Nationalparkgrenze am Kindel befindet sich ein kleines, abwechslungsreiches Waldstück mit dem klangvollen Namen „Paradies“. Hier wechseln sich auf engem Raum viele verschiedene Baumarten ab: Fichten, Lärchen, Pappeln und Erlen. Auch eine kleine Ecke Rotbuchen und Eichen findet man. Eine besondere Aufwertung erfährt das Gebiet durch zwei Teiche. Entsprechend reichhaltig ist auch die Zusammensetzung der Vogelwelt. Winter- und Sommergoldhähnchen, Waldlaubsänger und Tannenmeisen, aber auch Sperber und Mäusebussard haben hier Brutplätze gefunden.

Zu den besonders heimlichen Bewohnern zählen Waldkauz und Waldohreule. Letztere beginnt in der Dämmerung mit ihrem Beutezug auf Feld- und Rötelmäuse. Die weiten Offenflächen des südlichen Kindels sind gute Jagdgründe. Aber auch Feldwege und Ortsränder werden systematisch abgesucht. In den Wiesen um Hütscheroda dürften auch gelegentlich Frösche ihren Speisezettel erweitern.

Kleinvögel werden dagegen regelmäßig geschlagen. Reste von Haussperlingen in den grauen, länglichen, gut 40mm langen Speiballen, den sogenannten Gewöllen, beweisen, dass sie sich auch regelmäßig bis in Siedlungen begibt.

Die aus verschiedenen Ortschaften bekannten Wintergemeinschaften von manchmal mehreren Dutzend Vögeln sind ebenso typisch für Waldohreulen wie die namensgebenden Federohren. Diese sind ein besonders markanter Schmuck. Auch der Uhu, die größte heimische Eule, trägt solche „Ohren“, die ganz bewusst bei Balz, Streit und Erregung als Teil der Mimik des Vogels eingesetzt werden. Hören kann die Eule damit nicht. Neben der hervorragenden Sehfähigkeit der Eulen zählt natürlich das Gehör zu den hochspezialisierten Sinnesorganen. Die Ohröffnungen liegen, wie bei anderen Vögeln auch, rechts und links am Kopf, umgeben von einem Kranz trichterförmig angeordneter Federn, die den Schall gebündelt in das Ohr leiten. Aus der zeitlichen Differenz des Auftreffens der Schallwellen an den Ohren kann die Beute zielsicher lokalisiert und ergriffen werden. Manche Arten besitzen zudem asymmetrische Schädel, die diesen Effekt noch verstärken.

Eulen gehören zu den Vogelarten, deren Brutzeit sehr früh im Jahr beginnt. Auch bei der Waldohreule kann ab Mitte März mit den ersten Gelegen gerechnet werden. Während der Balz im Februar ruft das Männchen monoton von erhöhten Punkten des zukünftigen Brutreviers. Die aneinandergereihten tiefen Huh-Rufe sind verhältnismäßig leise. Auffälliger ist da schon das Flügelklatschen, wobei während des Imponierfluges die Flügel geräuschvoll unter dem Körper zusammengeschlagen werden.

In alten Krähennestern oder Greifvogelhorsten findet die Brut statt.

Die Waldohreule baut kein eigenes Nest. Sie ist also auf das Vorhandensein entsprechender Unterlagen angewiesen.

Wer diese interessante Vogelart selbst erleben will, sollte in der Dämmerung reich strukturierte Waldränder, vielfältige Parkanlagen oder Feldgehölze aufsuchen und in erster Linie mit wachen Ohren auf entsprechende Hinweise achten. Im Nationalpark bieten sich dafür das Craulaer Kreuz, der Zollgarten oder der Harsberg an.

 

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Cornelia Otto-Albers

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