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Mit Samt und Seide oder doch lieber mit Filzstiefeln ins neue Jahr?

Ornithologie vom

Kurz nach der Jahreswende stellten sich nun doch Eis und Schnee ein, die zur Weihnachtszeit vielerorts vermisst wurden. Mit dem weißen Gewand erschienen in unseren Breiten zwei Vogelarten, deren Heimat bis weit nördlich des Polarkreises reicht.
Der eine glänzt mit gelben und roten Accessoires, der andere mit erprobter Funktionskleidung.
Die Rede ist von Seidenschwanz und Raufußbussard, Vertreter der arktischen Taigazone, die regelmäßig, aber in sehr unterschiedlicher Zahl, Jahr für Jahr den Winter im milden Mitteleuropa verbringen.

Das seidige Schwanzende mit der gelben Endbinde gab dem Seidenschwanz seinen Namen. Der starengroße, überwiegend bräunliche Vogel ist fast immer in mehr oder weniger großen Schwärmen unterwegs. Die Beeren der Eberesche, später auch Weißdorn- und Hagebuttenfrüchte, stehen ganz oben auf der Futterliste. Dabei sind sie manchmal erstaunlich zutraulich und lassen sich aus geringer Distanz beobachten. In ihrer Heimat werden während der Brutzeit vorwiegend Insekten verzehrt, daneben auch Kätzchen von Weiden und Pappeln. Ein besonderer Schmuck sind kleine rote, wachsartige Plättchen an der Spitze der Armschwingen, bei älteren Vögeln auch an den Schwanzfedern. Im Flug erinnern sie an Stare. Mit etwas Glück kann man sie derzeit an mehreren Orten in Thüringen finden. Auch in Mülverstedt wurde ein kleiner Trupp beobachtet.

Der Raufußbussard ist ein kräftiger Greifvogel, dessen Leibspeise Lemminge sind. Hier in Thüringen stehen Wühlmäuse hoch im Kurs, aber auch bei der Jagd auf Vögel kann er beobachtet werden. Da sie in ihrer Heimat vorwiegend in den baumlosen Tundren vorkommen, dort übrigens als Bodenbrüter, sind sie im „Winterurlaub“ auch in Mitteleuropa vorwiegend in offenen Landschaften zu finden. In der Umgebung des Hainichs sind z.B. die Weideflächen bei Craula, der Kindel und Rapsfelder bei Weberstedt mögliche Aufenthaltsorte. Charakteristisch sind das dunkle Brustfeld, der helle Kopf, die dunkle Schwanz-Endbinde und natürlich die bis zu den Zehen befiederten Beine. Sie brachten ihm auch den Namen „Hasenfuß“ ein.
Mit beiden Vogelarten kann man noch bis März hier und dort rechnen. Danach beginnt der Heimzug gen Norden.

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Cornelia Otto-Albers

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