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Ornithologie vom

junger Mauersegler

Es ist nicht mehr viel Zeit – möchte man diesem jungen Mauersegler dringend raten.
Der kurze Aufenthalt der Mauersegler in Mitteleuropa dient ausschließlich der Fortpflanzung und ist auf ein rund 3-monatiges Gastspiel in unseren Breiten beschränkt.
Wenn die Vögel um den ersten Mai bei uns eintreffen, haben sie bereits eine kräftezehrende Reise von bis zu 10000 Kilometern aus den zentralafrikanischen Winterquartieren hinter sich. Nach einer kurzen Erholungsphase werden die Nisthöhlen besetzt. Die hohe Brutplatztreue führt dazu, daß sich sogar regelmäßig die selben Partner treffen und oft exakt die selbe Mauernische, den gleichen Dachkasten oder Nistkasten besetzen.
Gern nehmen sie das Nest des Vorbesitzers, von Haussperlingen oder Staren beispielsweise, als Unterlage um es mit selbst gesammelten Fasern, Halmen und Haaren zu ergänzen, mit ihrem klebrigen Speichel zu verfestigen und zu formen.
Die im Flug gesammelten Baumaterialien erreichen oft nur einen sehr geringen Umfang, sodass in Nisthöhlen ohne vorherige Bewohner die 2-3 reinweißen Eier auch auf dem nahezu blanken Boden liegen können.
Sperlinge, Rotschwänze oder Stare, die vor den Mauerseglern mit ihrer Brut beginnen, können von den hartnäckigen, bis 50g schweren Seglern sogar vertrieben werden.
Viele Fragen aus dem Leben der Mauersegler sind noch nicht hinlänglich beantwortet. Vieles spielt sich im rasanten Flug ab und entzieht sich so der genauen Beobachtung. Auffallend sind die lautstarken Flugspiele zwischen Häuserschluchten mit Geschwindigkeiten bis 180 km/h.
Die kurzen Füße sind weder für ein Laufen auf dem Boden noch das Sitzen auf Ästen eingerichtet. Gesunde Mauersegler können aber problemlos vom Boden starten. Eben flügge, untrainierte Jungvögel landen gelegentlich unsanft auf der Straße, versuchen dann aber den nächsten Baum zu erklimmen und sich aus einiger Höhe für einen erneuten Start fallen zu lassen.
Während der Brutzeit verbringen ein oder beide Altvögel die Nacht im Nest oder auch hängend an der Hauswand. Ansonsten erfolgt die nächtliche Ruhephase - wie so vieles im Leben der Mauersegler - im Flug! Die Vögel steigen am Abend, oft in Gruppen, in höhere Luftschichten auf und dösen dort, während sie langsam wieder abwärts gleiten.
Bei sogenannten Wetterflügen weichen die Segler Gewittern oder anderen Schlechtwettergebieten weiträumig aus. Sogar Brutvögel können sich dabei einige Tage lang und mehrere Hundert Kilometer vom Nistplatz entfernen. Die Jungen sind in der Lage solche Mangelphasen durch Herabsetzung von Köpertemperatur und Atemfrequenz, also bei stark eingeschränktem Stoffwechsel, zu überstehen.
Brut und Nestlingszeit dauern ungewöhnlich lange, sodaß erst rund 2 Monate nach der Ablage der Eier die jungen Segler die Höhle verlassen. Sie sind dann selbstständig, kehren nicht mehr in das Nest zurück und können sich wenige Tage nach dem Ausfliegen bereits Dutzende Kilometer vom Brutplatz entfernt befinden.
Anfang August ist die Zeit des Wegzuges. Die Mehrheit der Mauersegler hat das Brutgeschäft beendet und ist fast von einem zum anderen Tag verschwunden. Nur bei wenigen Spätbruten kann sich der Abflug noch um einige Wochen verzögern.

Auf den Offenflächen bei Weberstedt oder am Craulaer Kreuz ist es gelegentlich möglich, diese sonderbaren Vögel bei der Insektenjagd über den Brachflächen auf Augenhöhe zu beobachten.

 

 

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Cornelia Otto-Albers

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