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Jahreswechsel

Ornithologie vom

Was ändert sich 2015? Eine gern gestellte Frage in Fernsehsendungen kurz vor dem Ablauf eines Jahres. Steuern, Gesetze und Kennzeichnungspflichten stehen im Focus.
In der Natur sind Termine nicht streng festgelegt. Der 31.Dezember ist für Amsel, Kernbeißer, Grünfink und Co. belanglos. Kraniche harren in unseren Breiten aus, solange ausreichend Futter verfügbar ist. Erst ein ernsthafter und anhaltender Kälteeinbruch kann sie noch kurzfristig zum Wegzug bewegen. Ebenso geht es den Rotmilanen, die bei fehlender Schneedecke und noch großem Mäuseangebot ihre Zugstrategie anpassen.
Den kurzen Tagen folgen lange Nächte, die den Eulen – im Nationalpark vor allem Waldkäuzen und Waldohreulen – beste Voraussetzungen bieten, sich auf die kommende Brutzeit vorzubereiten. Vielleicht liegen schon Ende Februar die ersten Eier in den Nestern.
Stürme fegen die letzten Blätter von den Zweigen oder reißen mächtige, alte Buchen aus ihrer Verankerung. Wo heute noch die Vorratskammer der Waldmaus gut gefüllt das Überleben sicherte, klafft morgen ein metertiefes Loch im Boden. Wenige Tage später ist es vielleicht schon mit Regenwasser gefüllt und dient einem Mäusebussard als Tränke.
Aber nicht nur Veränderungen der Landschaft sind im Jahresverlauf spürbar.

Selbst das Verhalten von Tieren kann sich mit den Jahreszeiten ändern. Aus scheuen Waldbewohnern werden furchtlose Gartenvögel, Einzelgänger schätzen für einige Zeit die Gemeinschaft der Artgenossen. So machen Sperber rasante Jagden durch Innenhöfe und Parks der Ortschaften, Grau- und Goldammern, im Sommer noch streng territorial, bilden gemischte Schwärme und wagen sich bis in die Innenanlagen von Kuh- und Schafställen.
Manche Veränderungen sind kaum erkennbar. Wer ahnt schon, dass die Kohlmeise, die am ersten Weihnachtstag am Küchenfenster klopft, nicht die ist, die im Juni mit lautem Gezeter die Katze von ihrem Nistplatz im Apfelbaum abzulenken versuchte? Die blasse Färbung und ein ungewöhnlicher Ruf lassen nur den Fachmann die Herkunft aus Osteuropa vermuten.
Die Vermischung der heimischen Population mit ihren skandinavischen und russischen Verwandten geschieht nahtlos.
Wechsel in der Natur vollziehen sich jederzeit, langsam oder plötzlich, offensichtlich oder leise, ganz unabhängig von Stichtagen

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Cornelia Otto-Albers

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