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Jahresläufe – Abschied und Willkommen

Liebe Besucher des Hainich,

wieder ist es Herbst, die Blätter fallen, ein Jahr neigt sich dem Ende zu - „Was jung ist, wird alt, was alt ist, wird jung“, wie es in dem Märchen „Waldminchen“ heißt. Das Rad des Lebens dreht sich weiter: Nur wer Abschied nehmen kann, kann sich erneuern……dieser „Jungbrunnen“ steht uns immer zur Verfügung! Ich tauche nun ein in ihn, nehme Abschied von 11 Jahren, in denen ich mit weit über 5000 Kindern in den Hainich-Märchenwald gegangen bin! Jahre, in denen ich meine Märchensamen ausgestreut habe……und ich hoffe, dass wenigstens für einige dieser Kinder der Wald nie nur eine Ansammlung von Holzlieferanten ist! Vielleicht erinnern sie sich, dass Bäume ein Gesicht haben – so wie der „Eichenkönig Robur“ in Weberstedt oder „Königin-Mutter Linda“ in Berka. Vielleicht erinnern sie sich – spätestens, wenn sie selbst Kinder haben -, dass Spinnennetze nicht einfach Spinnennetze sind, sondern Feenschleier…….und dass in den moosigen Wurzelhöhlen die Zwerge wohnen.

Mir ging und geht es immer darum, mit „Märchenaugen“ durch Wald und Flur zu gehen. Das soll keine Verniedlichung der Natur sein, sondern die Entdeckung und Würdigung der all-täglichen Wunder direkt vor unserer Nase (und allen anderen Sinnen)! In unserer ach so modernen Welt gilt immer noch nur das als WERTvoll, was selten ist…….das bedeutet, die Natur wird erst als wertvoll erachtet, wenn es sie kaum noch gibt und wie ein Museum geschützt werden muß. Ist das nicht absurd? Können wir nur ein einziges von den Blättern machen, die nun wieder reichlich von den Bäumen fallen? Ist es nicht ein unglaubliches Wunder, dass im Frühling erneut millionenfach die Blätter an den Bäumen sprießen und keines dem anderen gleicht? Im Märchen bekommt der Held oder die Heldin manchmal von Zwergen, Feen oder Moosweiblein ein paar Blätter oder Zapfen geschenkt, die oft genug von dem Beschenkten verachtet werden – bis sie sich auf einmal in Gold verwandeln! Ein symbolisches Bild für ihren Wert aus sich selbst heraus…….Im Weberstedter Holz gibt es einen Baum, auf den jemand vor langer Zeit geschrieben hat: „Waldwege sind Wanderwege“. Das ist nur noch undeutlich zu lesen, deshalb übersetze ich das gern fragenden Kindern als: „Waldwege sind WUNDERwege“. In DIESEM Sinne bin ich mit den Kindern in den Märchenwald gegangen, in DIESEM Sinne ist die Natur MÄRCHENHAFT!

So gestimmt brach ich vor ein paar Tagen zu einer (vorerst) letzten Wanderung mit Kindergartenkindern auf…..Es war ein herrlicher Septembermorgen und der ganze Weg zum Wald war geschmückt mit glitzernden Feenschleiern! Die Feen hatten offensichtlich die Herbst-Tag-und-Nacht-Gleiche gefeiert……Als wir durch das Weißdorn-Sterntaler-Tor schritten, fanden wir den Weg besät mit goldenen Blättern……und im Wald rief das Täubchen! Aufgeregt und voller Freude sammelten die Kleinen Geschenke für die Zwerge und sie staunten, dass in der Eichel ein Märchen versteckt war. Man konnte es aber nur hören, wenn man ganz still war……

Als wir in unserem Märchenkreis saßen, erfuhr ich, dass eine der uns begleitenden jungen Praktikantinnen selbst als Kindergartenkind vor 11 Jahren bei so einer Wanderung mit dabei war und sich noch gut erinnerte! Ein Kreis schloß sich…….und beginnt von Neuem!

In diesem Sinne: Auf Wiedersehen und Willkommen im märchenhaften Hainich!

 

Ihre Monika Radha Hickstein

 

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