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Im Gewand eines Sperbers

Ornithologie vom

In den Gebüschflächen des Nationalparks lebt eine seltene Vogelart, deren typische Merkmale stechend gelbe Augen und eine mehr oder weniger quergestreifte, also „gesperberte“ Unterseite sind. Das europäisches Verbreitungsgebiet der Sperbergrasmücke endet nach Westen hin etwa im Bereich zwischen Thüringen und Hessen. Die landesweite Erfassung von Vögeln in den letzten 5 Jahren erbrachte aber auch für Thüringen nur wenige Vorkommen (bei Ohrdruf, Weimar, Nordhausen und in Ostthüringen), sodaß diese Art als besondere Kostbarkeit im Hainich betrachtet werden kann. In den dornig-stachligen Gebüschen des Steinbergs, bei Weberstedt und auf dem Kindel findet diese Grasmücke optimale Lebensbedingungen. Ende Mai bis Anfang Juni beginnt die Brutsaison. In einem locker gebauten Nest aus trockenem Gras – meist niedrig über dem Boden – werden 2 – 7 Eier abgelegt. Die Innenauspolsterung des Nestes besteht oft aus den Gespinstfäden von Spinnen und Raupen. Beide Partner brüten. Nach rund 14 Tagen schlüpfen die Jungen. Die bevorzugte Nahrung der Sperbergrasmücken sind Insekten, daneben aber auch Beeren und Früchte.

 

Auffällig ist das gemeinsame Vorkommen mit dem Neuntöter im gleichen Biotop. Oft stehen die Nester beider Arten in unmittelbarer Nachbarschaft. Scheinbar nutzt die Sperbergrasmücke die Wachsamkeit und Wehrhaftigkeit des Würgers, um die eigene Brut zu schützen.

 

Bereits im Juli beginnt der Wegzug ins Winterquartier. Dabei zählt die Sperbergrasmücke zu den Ostziehern. Ihre Route führt über Südosteuropa, die Türkei und Syrien nach Kenia, Tansania oder Uganda.

 

Am 28.07.2011 konnte durch den Fang eines Exemplares mit slowenischem Ring auf dem Steinberg diesen Erkenntnissen ein weiterer kleiner Baustein hinzugefügt werden. Ein Männchen, welches vermutlich während des Herbstzuges in Richtung Afrika am 02.08.2010 bei Sentjernej unweit von Ljubljana beringt wurde, hatte offensichtlich sein Brutrevier im Hainich.

 

Wenn der Vogel alle Gefahren bis heute gemeistert hat, könnte er sich gerade wieder kurz vor dem afrikanischen Kontinent befinden

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Cornelia Otto-Albers

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