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Geerbter Schatz

Liebe Besucher des Hainich,

der heutige Brief soll ein Gratulationsbrief sein! Denn der Nationalpark Hainich bekam den Titel „UNESCO-Weltnaturerbe“ zuerkannt! Herzlichen Glückwunsch all jenen Menschen, die sich seit Jahren um dieses wertvolle Erbe mühen, damit es künftigen Generationen erhalten bleibt! Was in Jahrhunderten gewachsen ist – wie schnell fällt es der Gier des Menschen und damit der Kettensäge zum Opfer……und wie schnell ist ein Erbe sinnlos verschleudert. Ich bin glücklich darüber, dass es so viele mit dem Herzen sehende Menschen gibt, die still und im Hintergrund diesem herrlichen Buchenwald einfach dienen! „Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz…“ so war ja auch das Motto des diesjährigen Kirchentages – und wir müssen uns immer wieder fragen, was eigentlich wirklich wertvoll und unserem Herzen nahe ist……

Ja, und da wir schon von Schätzen sprechen: Vielleicht nutzen Sie die schönen Sommertage, um auf dem „Feensteig“ bei Weberstedt das Geheimnis des Hainich-Waldes zu erkunden! Wenn man durch das Tor in den dämmrigen Märchenwald kommt, findet man sogleich eine Schatztruhe. Kinder stürzen voller Begeisterung darauf zu, und ich sage dann oft: „Na, da können wir ja wieder nach Hause fahren, wenn wir den Schatz schon gefunden haben!“ Doch welche Enttäuschung: die Truhe ist leer (jedenfalls sollte sie es sein – merkwürdigerweise ist sie oft mit allerlei Dingen gefüllt, wahrscheinlich, weil für viele Menschen Leere schwer zu ertragen ist….). Doch halt: es gibt einen Hinweis auf einen „Verborgenen Schatz“! Eine Gelegenheit, um innezuhalten: Was suche ich eigentlich? Wie will ich etwas finden, wenn ich gar nicht weiß, wonach ich suche? Und warum ich suche? Was fehlt mir denn? Sich diese Fragen ehrlich zu beantworten, ist die Voraussetzung, um am Ende des Weges im „Zauberspiegel“ den Schatz zu entdecken……“Schau in den Spiegel, der lässt sich nicht irremachen, der zeigt dir mein Bild, wie es in Wahrheit ist…“, sagt die Prinzessin vom Schloß der goldenen Sonne in der „Kristallkugel“.

Der wahre Schatz, der „Diamant“ (wie es im Buddhismus heißt), ist so nah, dass wir ihn leicht übersehen und ihn gering achten. So, wie die Prinzessin in Andersens Geschichte vom „Schweinehirt“ die wirkliche Rose verachtet und lieber eine künstliche nimmt……Wir lachen über sie – doch sind wir so weit von ihr entfernt? Da werden Blumenkübel aufgestellt und die kleinen Pflanzenwunder in den Mauerritzen totgespritzt…..oder wir himmeln „Stars“ in den bunten Zeitschriften an und übersehen die Augensterne, die uns jeden Morgen aus dem Badezimmerspiegel anschauen.

“Sieh, das Gute liegt so nah“ (Goethe) - so nah, wie ein „gewöhnlicher“, weil natürlicher Buchenwald in all seiner märchenhaften Schönheit vor den Toren der Stadt! Freuen wir uns alle über dieses „Weltnaturerbe“, aber freuen wir uns noch mehr über einen Wald, der vor allem sich selbst gehören darf!

 

Ihre Monika Radha Hickstein

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